tz. 147. Kraftspiclc und Spielwaaren. 599
vo» Ainge und Aldrcd ausgestellten Bogens aus Spanischem Tarus wurde zu35 Lstr. angegebe».
Die Britischen Kolonien hatten eine ziemlich beträchtliche Anzahl von Bogenund Pfeilen eingesendet. Die Indische Sammlung enthielt eine große Auswahl der-selben aus Affam. Ebenso waren Britisch Giiiana. ferner Sud- und West-Afrika reichlich vertreten. Allein alle diese Gegenstände hatten vielmehr ein ethnographischesals industrielles Interesse.
Endlich muß noch eine Einsendung von Bogen und Pfeilen aus der Schweiz erwähnt werden, welche sich besonders durch die reiche Berzicrnng der einzelnen Ar-tikel auszeichnete. Die Bogen hatten zumeist die klassische Form von Kupidos Wasteund die Pfeile waren vielfach aus unendlich vielen Hölzern zusammengesetzt. EinPfeil bestand, der beigegcbenen Mittheilung zufolge, aus nicht weniger als 1000Stücken!
>,) Spielwaaren.
Einer der ausgezeichnetsten Physiker der Gegenwart, Faradny, hat irgendwogesagt, „daß Kinderspielsachen, wenn richtig' gewählt, die schönste Einleitung zurNaturlehre bilden," und ei» bekannter Staatsmann, R. Cobden, von einem andernGesichtspunkte ausgehend, versichert, daß man aus den Kinderspielen in einem Landeden Charakter eines Volkes zu erkennen vermöge. ')
Der nahe Zusammenhang einiger der gewöhnlichsten Spielzeuge mit verschiede-ne» physikalischen Prinzipien von höchstem Interesse, bedarf kaum einer näheren Be-gründung. Jeder erinnert sich, daß der gemeine Papierdrachc die Zerlegung mecha-nischer Kräfte auf das Anschaulichste erläutert, und daß dasselbe Spielwerk, in denHänden eines Franklin, den Beweis der Identität des Blitzes und des elektrischenFunkens lieferte. Die Farben, welche auf einer Seifenblase erglänzen, verdankenihre Entstehung einem Grundsätze, welcher eine Reihe der wichtigsten optischen Er-scheinungen in sich einschließt. Das Blasrohr und die Knallbüchse zeigen uns dieElastizität der Luft, ihre Kompression und ihre mechanische Wirkung bei der Aus-dehnung. Die Schleuder, der Reifen und der Kreisel machen uns mit den Wirkun-gen der Centrifngalkraft bekannt, und der letztere giebt uns überdies eine Lektion inder physiologischen Optik, insofern jeder Punkt auf der Oberfläche des in raschemUmschwünge begriffenen Kreisels dem Auge als elegante Kreislinie erscheint. Mausieht, überall treten uns die Spiele unserer Kinderjahre als Repräsentanten wichtigerLehren der Physik entgegen.
Was die zweite Behauptung anlangt, daß sich der Charakter eines Volkes inseinen Kinderspielen abspiegele, so brauchen wir ebenfalls nur um uns zu blicken,um uns von der Wahrheit derselben zu überzeugen. Das Kind ahmt zu seinemZeilvertreibe nach, was es die Alten thun sieht. In einem militairisch organisirtenLande geht dem Knaben nichts über Flinten, Säbel, Fahnen, Trommeln, Trompe-ten und sonstige Attribute des Krieges. Fragt man ihn, was er einmal werdenwolle, so ist die Antwort unfehlbar „ein Soldat." Bei einer schifffahrenden Nationsind die Gedanken des Knaben schon früh der See zugewendet, ein jeder will Ma-t:ose werden, und seine höchste Lust ist, kleine Fahrzeuge auf Bächen und Teichenschwimmen zu lassen, oder selbst in kleinem Bote einherzurudern. So weit also sind»ir mit der Ansicht des oben angeführten Staatsmannes vollkommen einverstanden,rnd wenn derselbe weiter geht und zu zeigen sucht, daß man durch das Spielzeug,Kelches man in die Hände des Knaben giebt, den Charakter des werdenden Mannesiis zu gewissem Grade anzubildcn vermöge, so theilen wir auch hierin seine Mei->ung; wenn derselbe aber vorschlägt, Säbel und Patrontasche aus der Kinderstubein verbannen, um die kriegerischen Dispositionen einer großen Nation zu mildern,>ud die Verwirklichung des großen Friedensprinzips anzubahnen, so können wir nicht