652 XXX. Klasse. Werke der schönen Kunst.
G. Strazza (Nr. 713.), „Jsmael," so hat der Künstler einen verschmachtendam Boden liegenden Knaben genannt, welcher die dürftigen nnd mageren Formendieses Lebensalters in der größten, hart an das Widerstrebende streifenden Wahrheit,in einer meisterlichen Ausführung wiedcrgicbt. Besonders ist der Kopf, dein einleineswegS ansprechendes Modell znm Grunde liegt, in dem Ausdruck des Ver-schmachtens in etwas verletzend. Der ganze Gegenstand hat ohne das Versöhnendedes Hülfe bringenden Engels, wie ihn die Malerei stets behandelt hat, etwas ungc-mein Peinliches nnd Trostloses. Preismedaille.
N. Monti (Nr. 746.), Eva, nach dem Sündcufall znm Bewußtsein über ihreThat gelangt, ist ein, in dem Gefühl edles und im Motiv anmnthigcs, in der Aus-führung in Marmor fleißiges Werk, welcher daher auch dem Künstler die Preisme-daille erworben hat- Ungleich mehr Glück, als dieses, machte indeß bei dem großenPublikum die Statue eines knieenden Mädchens, deren Gesicht durch einen leichtenSchleier verhüllt wird. Mit wie außerordentlichem Geschick aber auch dieses ausge-führt ist, bleibt eS doch für den ächten Kunstfreund, welcher nicht billigen kann, daßder Künstler auf die »»verhüllten Züge des menschlichen Antlitzes, als worin sichSchönheit der Form, Charakter nnd Ausdruck allein in der erforderlichen Deutlich-keit wieder geben lassen, Verzicht leistet, nichts weiter, als ein wohlgelungcnesKunststück.
A. Galli (Nr. 7tl.), eine recht fleißig in Marmor ausgeführte, jugendlichweibliche Gestalt von gefälligen Formen nnd hübscher Bewegung, hat der Künstler„Snsanna" genannt. Ohne die beiden Alten ist aber dieser Gegenstand durchausnicht zu erkennen. Preismedaille.
A. Sangiorgio (Nr. 722.). Die kolossale Büste des Dichters Vincenzio Montiist eben so lebendig aufgefaßt, als höchst meisterhaft und fleißig in Marmor ausge-führt. Ehrenvolle Erwähnung.
I. Fraccaroli (Nr. 710.), David, im Begriff, den Stein auf Goliath abzu-schleudern, ist von recht lebendigem, aber etwas gesuchtem Motiv uud von edlen Ge-sichtszügen. Die zu stark ausgebildeten Muskeln des Körpers sind indeß mit derJugendlichkeit des Kopfes nicht in Uebereinstimmung. Preismedaille.
L. Marchesi (Nr. 716.), Euridiee, eine Statue in Marmor, hat etwas An-sprechendes im Motiv, die Durchbildung läßt indeß viel zu wünschen übrig. Ehren-volle Erwähnung.
6. Gegenstände der Zeichnung aus der Fläche.
Einailenmalerei.
H. Nigg, Maler in der Kaiserlichen Porzellanmauufaktur zu Wien (Nr. 616.),die heilige Familie, nach einem, dem Raphael beigemeffene», Gemälde der Kaiser-lichen Galerie zu Wien , giebt zwar die Formen desselben ziemlich treu wieder, weichtaber entschieden durch den blaffen Ton des Fleisches von dem warmen und kräftigendes Originals ab. Ungleich gelungener ist ein Blumenstück, worin die Blumen ingroßer Kraft und Wahrheit der Farbe sehr fleißig wieder gegeben worden sind.Ehrenvolle Erwähnung.
Malerei auf Glas.
G- Bertini aus Mailand (Nr. 737.) In der Mitte der thronende DichterDante, zu seiner Rechten Matilde, zu seiner Linken Beatrice, von einer architektoni-schen Einfassung im Gothischen Styl umgebe». In den Figuren, namentlich in denweiblichen, ist ein für Glasmalerei ungewöhnlich hoher Grad von künstlerischer Aus-bildung, eine tiefe, satte Harmonie der Farben erreicht, wodurch diese Figuren alssolche ungemein ansprechen. Dagegen verstößt aber die architektonische Einfassungauf das gröblichste gegen den Geschmack und die Konstruktion der Gothischen Archi-tektur, und machen auch zwei große, schwarze Felder in den oberen Theilen des Bildes