Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
731
JPEG-Download
 

731

§. 175. Schluß der Ausstellung.

war vorauszusehen, daß sich das Gefühl der Bitterkeit, welches aus sol-chergestalt getäuschten Hoffnungen und unbefriedigter Eitelkeit hervorzu-gehen Pflegt, in einem Sturm von Beschnxrdcn Lust machen würde; dazukam noch die Unruhe über das künftige Schicksal des AusstcllungSgebäu-dcs; man wünschte deshalb die Schlußscene weniger geräuschvoll abzu-machen. Auf der anderen Seite stand ein hochbegeistertcs Publikum,welches Gelegenheit suchte, seine Gefühle auf ordnungsmäßigem Wegekund zu geben.

Bei dem auf Sonnabend den 11. Oktober festgesetzten Schluß desallgemeinen AuSstellungSbcsuchs nahm ein ungewöhnlich zahlreiches Publi-kum ohne irgend ein Programm durch feierlichen Gesang der National-Hymne, in welche alle Musikinstrumente im Gebäude, Piano wie Posaune,Orgel wie Chinesischer Gong einfielen, rührenden Abschied von der Aus-stellung. DaS Gedränge im Tranösept war größer als je; als die Sonnesich zum Scheiden senkte und die Polizei höflich um Entfernung zu bittenanfing, bemächtigte sich des Publikums eine unbeschreibliche Bewegung:taufende von Tücher» und Hüten hoben sich in die Lust und Vivats allerArt ertönten. Der folgende Montag und Dienstag wurde den Ausstellernund den Ihrigen zum unentgeltlichen Eintritte überlassen.

Die auf den 15. festgesetzte amtliche Schließung des Unternehmenshatte dagegen einen mehr steifen und frostigen Charakter.

Das Wetter war sehr ungünstig, ein unaufhörlicher, starker Regenübte auf die Gemüthöstimmung einen niederdrückenden Einfluß. Allge-mein hörte man die Klage, daß die Königin und der Sonnenschein, wel-chen sie immer mitbringe, fehlten. Der anfänglich gehegte Gedanke, zurSteigerung des Lichteffekls den Hanfüberzug des Glasdachs wegzunehmen,mußte wegen des heftigen Regens wieder aufgegeben werden. Die Un-dichtigkeit des Daches zeigte sich so lästig, daß an mehreren Stellen Re-genschirme aufgespannt werden mußten, um die Damen zu schützen.

Die Anwesenheit von etwa 25000 Personen bei solchem Wetterzeigte, welches lebhafte Interesse man immer noch der Sache widmete.Man hatte nicht mehr Eintrittskarten austheilen wollen, da kein Umzugim Gebäude stattfand, sondern die Feierlichkeit sich auf die im Mittelraumveranstaltete Scene beschränkte, wo nicht mehr Platz war. Es warendeshalb nur die Aussteller, die Preisrichter, die fremden und einheimischenAusstellungskommissare, die Vertreter der Britischen Ortskommittee's, dieMitglieder der polytechnischen Gesellschaft, die fremden Gesandten undBeförderer des Unternehmens, unter welchen auch der Preußische Ministerdes Handels und der Preußische Gesandte, eingeladen und anwesend.

Auf der an Stelle der früheren Krystallfontainc errichteten Estradenahm zuerst Sc. Königl. Hoheit der Prinz Albert als Vorsitzender derAusstellungskommission aus dem von dem Rajah von Travancore ge-schenkten elfenbeinernen Throne Platz, umgeben von den Mitgliedern derKöniglichen Kommission; rund umher, bis in weite Entfernungen war