Band 
I. Band.
Seite
61
JPEG-Download
 

61

Thomas I-, Graf von Savoyen, Piemont und Manrienne, Markgrafvon Italien und Suza, Generalvikar des Reiches in der Lombardie undPiemont, war im Jahre 1233 gestorben. Von feinen fünfzehn ehelichenKindern, war ihm Amadeus I V. in allen seinen Würden gefolgt. Hum-bert, der zweite Sohn, war schon zehn Jahre vor dem Tode seinesVaters 1223 in einer Schlacht in Ungarn umgekommen. Thomas II.,der dritte Sohn, hatte durch die Vermittlung des Königs von Frankreich,die Gräfin Johanna, Erbin von Flandern und Henncgau, geheirathetund sich, so lange feine Gemahlin lebte, auf ihrer Besitzung niedergelassen,bis er sie nach dem Tode derselben verkaufte, und 1248 vom Kaiser,Jvrea und Turin zum Geschenk erhielt, auch 1254 von König Manfredvon Neapel zum Fürsten von Capua erhoben wurde. Aymo IV., Herrzu Chablais, Chillon, Montorge u. s. w., erhielt von seinem Bruder,Amadeus, das ganze Wallis und Chablais, von Montjou bis zum FlusseArve, zu Lehen, gründete im Juli 1236 den Spital für Aussätzige zuVilleneuve und starb 1242 unvermählt. Wilhelm und Amadeus, derjüngere, der fünfte und sechste, blieben dem geistlichen Stande getreu.Auch Peter, der siebente Sohn des Grafen Thomas I-, im Jahre 1203zu Suza in Piemont geboren, war in feiner Kindheit zum geistlichenStande bestimmt gewesen, und hatte die Würde eines Domherrn der Kirchezu Valence, im Delphinat und sogar die eines Probstes der Hauptkirchezu Aosta erhalten. Als indessen späterhin seine Neigung zum Priesterlebenimmer schwächer wurde, begehrte er von seinem Bruder, Amadeus, seineAusstattung, und erhielt von ihm mehrere Schlösser, nebst den Besitzungendes Grafen in Chablais, von Montjou bis Vincey. Seinen Brüdern, denGrafen Amadeus und Aymo, hatte er in einer Fehde gegen die Walliserritterliche Hülfe geleistet und in Folge eines glücklichen Zuges gegen dieGrafen von Genf, war er im Jahre 1240 durch Vertrag in den Besitzder Burg von Gens und anderer Schlösser gekommen. In einer Urkundevon Milden, erscheint er noch in demselben Jahre als Graf von Romont,und übernimmt die Kastvogtei des Klosters zu Peterlingen. Da lud ihnHeinrich III., König von England, der seine Nichte, Eleonore vonProvence, geheirathet hatte, ein, nach England zu kommen, baute ihmzu Westminster ein Schloß, schenkte ihm die Grafschaft Richemont, dieHerrschaft Esser und andere mehr, erhob ihn zum Vorsitzer seines Staats-rathes und zeichnete ihn auf eine Weise aus, die den Neid vieler engli-scher Großen auf's heftigste erregen mußte. Erst nach mehreren Jahrenkehrte Graf Peter in seine Besitzungen zurück und erhielt hier im Jahre1250, bei einem Besuche zu St. Mauritz, vom Abte dieses Klosters, denRing des heiligen Mauritius zum Geschenk, mit welchem die Grafen undHerzoge von Savoyen von da an immer ihre Länder in Besitz nahmen.