widerrechtliche Anmassung in seinen Besitz gelangte. Vielmehr wurde sievon ihm durch einzelne gelegenheitliche Erwerbungen in einer langenReihe von Jahren allmälig zusammengebracht. Peterlingen, Murren undVivis hatten sich ihm unterworfen, La Tour und andere Schlösser hatteer gekauft, das Schloß zu Morges erbaut und so fort. Graf Peter waredelmüthig, tapfer und glücklich, und hatte einen in die schwierigstenVerhältnisse schnell eindringenden, zu allen Geschäften gewandten Geist.Mathias Paris nennt ihn klug, bescheiden und weise, von den Zeitge-. nossen aber wurde er häufig mit einem Löwen verglichen und (^srolusiVlgAnus, der Kleine genannt *).
Von allen benachbarten Fürsten, die dem Grafen von Habsburghätten entgegengestellt werden können, flößte keiner dem Rathe von Bernso viel Zutrauen ein, als eben dieser Graf Peter von Savoyen. Dieserhochsinnige Fürst besaß alle persönlichen Eigenschaften, die in einem kräf-tigen Beschützer willkommen sein konnten und war einem drohenden Gegneran Macht, wenn nicht überlegen, doch wenigstens gewachsen, und nichtsdesto weniger war die Lage seiner weiten Besitzungen nicht so, daß dieSelbstständigkeit der Stadt in hohem Grade gefährdet wurde. Dabei warder Graf mit der Würde des Reichsvikariats bekleidet, um so wenigerglaubte man sich zu vergeben, wenn man sich während des verwaistenZustandes des Reiches augenblicklich in seinen Schutz begab. SolcheBetrachtungen entschieden die Bürgerschaft von Bern, als man unter demSchultheißen, Heinrich von Bubenberg **), am 25. November 1266,einen Schirmvertrag mit dem Grafen Peter abschloß ***). Die nähereVeranlassung zu diesem Vertrage mag indessen der Umstand gewesen sein,daß dieser Fürst sich seit einiger Zeit auf ziemlich gespanntem Fuße mitdem Grafen von Habsburg befand. Er hatte nämlich jene SchenkungKönig Richard's, so lange Hartmann, der ältere, sein Schwager, lebte,
*) Ouicllcnon, bist. lle la rnsison <te 8svo^e. I3v. II. cap. g— 12 , et
xieuvo, p. ^3.
**) Siehe das Verzeichniß der Schultheißen von Bern, von Herrn Alt-Schultheiß von Mülinen.
***) Guichcnon führt hier nur Simmler und Guillimann als seine Gewährs«leute an, ^welcher letztere in seinem Werke 6e rovas ndvet. i.. m. 8.bloß sagt ! m littcrse äe er> re Isctse osteoclulit. Hingegen erzählt Guichenon,daß in Folge dieser Verhandlung Rudolf, Herr zu Strättlingen, in derKirche zu Bern versprochen habe, dem Grafen Peter von Savoyen so langezuzuziehen, als er Schirmherr von Bern sein würde, und führt hiefüreine Urkunde im Archive zu Turin als Quelle an. Wir müssen hier aufSeite 52, Note **) zurückweisen, wo wir zum Theil schon unsere An-sicht aufgestellt haben, daß die Verhältnisse Bern'S mit Savoyen erstbei'm Erlöschen des ältern Hauses Kyburg entstanden seien.