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IV. Kapitel.
Vorn Tode König Rudolf's von Habsburg t 2 St bis an das Endedes dreizehnten Jahrhunderts.
Nebst dem zweijährigen Enkel Herzog Johann war dem KönigeRudolf bei seinem Absterben nur noch sein allerer Sohn Herzog Albrechtgeblieben, ein Fürst, der in keiner Beziehung zu den gewöhnlichen gehörte,und darum, wie jede außerordentliche Erscheinung des Lebens, von denZeitgenossen, je nachdem sie in verschiedener Beziehung zu ihm standen,mit Haß oder Liebe schroff abweichend beurtheilt wurde. Ja die Urtheileüber ihn mußten um so greller ausfallen, je wichtiger für alle helve-tischen Länder, je auffallender bei ihrer Erscheinung, je bedeutsamer inihren Folgen die Ereignisse waren, die sich zu jener Zeit daselbst zu-trugen und von denen man ihn als die Haupttriebfeder ansah. Albrechtvon Habsburg Herzog zu Oesterreich mit seinem Neffen Johann Erb-fürst jener österreichischen Länder, womit König Rudolf seine Söhnebelehnt und auf deren Besitz er die Größe seines Hauses begründet hatte,besaß einen lebendigen Geist und eine feurige Einbildungskraft vorzüglichauf Vergrößerung irdischer Macht und Hohheit gerichtet. Von dengewöhnlichen sinnlichen Freuden des Lebens, Gunst schöner Frauen, welchersein Vater nicht abgeneigt gewesen war, oder Genuß einer üppigenTafel, sprachen ihn keine an, desto ausschließlicher blieb seine Aufmerk-samkeit auf Reichthum und Länderausdehnung gewendet, als von denenallein nach seinen Begriffen Ruhm und Fürstenglanz zu erwarten war.Seine Absichten suchte Albrecht mit unerschütterlicher Standhaftigkeitdurchzusetzen und führte die Waffen mit eben so viel ritterlichem Muthals höherer Einsicht und kühnem Erfindungsgeist. Gesetzliche Schrankenseiner Gewalt waren ihm verhaßt, und jene liebenswürdige Freundlichkeit,welche die Herzen gewinnt, schien dem Herzoge unter seiner Würde.Albrecht war 43 Jahre alt, als er zur Verwaltung der sämmtlichenösterreichischen Länder gelangte, die er früherhin mit seinem nun verstor-benen Bruder Rudolf getheilt hatte. Sein Aeußeres war auf keineWeise einnehmend, und das mißfällige seiner Gesichtsbildung wurde nochdurch die Krankheit vermehrt, welche ihn in der Folge um das eineseiner Augen brachte *).
So war der Fürst beschaffen, dem seine hohe Stellung im Reiche,wie seine Abstammung von dem letztverstorbenen Könige die nächste An-wartschaft auf die erledigte Krone zu geben schien. Die Fürsten scheuten
*) Joh. v. Müller, Bd. i- Kap. 18. Fugger.