Band 
I. Band.
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Um diese Zeit führte der bereits oben berührte Bruderzwist im HaufeKyburg endlich zu einem Ereignisse, welches nicht nur ganz Uechtland,sondern auch alle benachbarten Gaue mit Trauer und Schrecken erfüllte,ja dessen cntsetzensvolle Kunde bald in die entlegensten Kreise des deut-schen Reichs und in noch entferntere Lander drang. Eberhard von Kyburgwar, um sich zum geistlichen Stande wissenschaftlich auszubilden, nachBologna gereist. Allein mehr als dem mühsamen Forschen über dunkleSatze der Gvttesgelehrtheit scheint sich der junge Graf dem frohen Spielemit feurigen und lebenslustigen Altersgenossen hingegeben zu haben, derenauf jener Hochschule eine große Zahl aus nahen und fernen Ländern ztl-sammenströmte. Daher war auch die Summe von 60 Mark Silbers,welche der Gräfin Geschäftsführer, Ritter Hartmann der Senn, ihm überdie Alpen schickte, nicht hinreichend für seinen Aufwand. Eberhard kehrtemit Hinterlassung vieler Schulden, für welche seine Mitschüler sich ver-bürgten, nach Uechtland zurück, nahm seinen Sitz zu Burgdorf, und erhob,statt die geistliche Weihe zu empfangen, von Neuem Ansprüche auf dasväterliche Erbe. Hartmann hatte sich indessen, bald nachdem er seineFreiheit wieder erlangt, mit Margaretha, Tochter Rudolfs von Ncuen-burg und der Eleonora von Savoyen, vermählt. Das Haus Neuenburgwar nämlich seinem Bruder Eberhard abgeneigt, dem Hause Oesterreichhingegen zugethan. Auf diese Weise verdrängte Hartmann den Bruderaus der Gunst der österreichischen Fürsten. Noch immer nährte sein un-versöhnliches Gemüth einen tiefen Groll wegen des bei Burgdorf erlitte-nen Schimpfes und der damit verbundenen Folgen. Als daher beideBrüder sich auf der Burg Landshut bei der Mutter zum Besuch befanden,und in einem Bette schlafen sollten, überfiel Hartmann den Eberhard,nahm ihn gefangen, und schickte ihn halbnackt, gebunden und geknebeltnach Rochefort, einem einsamen, festen Schlosse seines SchwiegervatersRudolfs von Neuenburg. Durch Vermittlung Herzog Leopold's vonOesterreich erhielt zwar Eberhard seine Freiheit wieder, allein nur untersehr harten Bedingungen. Nicht nur sollte er auf die gesammte väterlicheVerlassenschaft, mit Ausnahme des lebenslänglichen Wohnsitzes auf demSchlosse Thun, Verzicht leisten, sondern es ward ihm sogar auferlegt,von den 200 Mark Silbers, die er als Einkünfte von seinen verschiede-nen geistlichen Pfründen bezog, jährlich 150 an seinen Bruder abzugeben,um daraus die Schulden des Hauses zu tilgen. Brach einer von denBrüdern sein Wort, so sollte sein Erbe dem Herzoge von Oesterreich ver-fallen. Um nun diesen Vertrag vollends zu Stande zu bringen, und dieAusfertigung desselben zu veranstalten, wurde zwischen den zwei Brüderneine Zusammenkunft zu Thun verabredet, welche denn auch am Tage vorAllerheiligen, am 31. Okt. 1322, stattfand. Weit entfernt indessen, zu derI. . 10