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So seh' ich der Alpen gelobtes Land,
Den See hier in glänzender Bläue,
Und Leben kehrt mir in Herz und Hand,
Die Jugend kehrt auf's Neue.
Was rauscht durch die Zweige des Baumes heran?War's Geisterlaut? — ist's Dichterwahn?
Die Saiten muß ich schlagen,
Muß singen von alten Tagen.
Muß fingen, o Lena, von jener Zeit,
Wo deine Stammgenoffen
Dom Sentis hernieder zu blutigem Streit '
Sich wider den Abt ergossen.
Den Bölkerzertreter singe der Sklav,
Mein Lied ist der Werdenberger, der Graf,
Der kühn sür das Recht der Hütten,
Für Volk und Freiheit gestritten.
So höret, was euch des Harfners GesangAus alter Zeit verkündet!
Alldort, wo des Rheinthals Reben entlangDer Waldstrom glänzend sich windet —
Dort hieng ob der Felsschlucht drohend und fest.Wie hoch an der Klippe des Adlers Nest,
Ein Schloß mit ragenden ThürmenUnd trotzte den heulenden Stürmen.
Stolz schaute von steiler GranitfelswandDie Burg nach der ebenen Erde,
Wo freundlich im Thalgrund Altstetten stand,Schneeweiß wie des Schäfers Heerde.
Graf Rudolf hatte Stadt und SchloßDem treuen Dienstmann Ritter JosSammt Weilern und Wäldern und RebenAls Lehen übergeben.