Buch 
Rudolf von Werdenberg im Freiheitskampf der Appenzeller / von Thomas Bornhauser
Entstehung
Seite
3
JPEG-Download
 

3

Am Tage, der jetzt bei der Harfe TonSich magisch beginnt zu entfalten,

Saß Bertha hoch auf des Schlosses Balkon,

Die schöne Tochter des Alten.

Nicht groß, vollbusig, rosig und rund,

Gar schalkhaft um Augen, Wangen und MundDen Hals voll blonder Locken

So saß sie spinnend am Rocken.

Und neben ihr Hedwig, sinnig und bleich,

Mit rabenschwarzen Haaren,

Die stand, der schlanken Tanne gleich,

Ein Mädchen von achtzehn Zähren.

Sie spähte, mit dunkelflammendem Blick,

Das Rheinthal aus und wieder zurück,

Ob nirgends dort auf der StraßeIhr Vater sich schauen lasse.

Wohl kam's allmählig den Berg empor,

Doch war's kein Graf zu Pferde,

Gejodel erklang und Geläut' in's Ohr,

Als zöge zur Alpe die Heerde.

Nun flog auch die muntere SpinnerinDom Rocken weg an's Geländer hin,

(Sie schien das Senntum zu kennen,)

Den Hirte» der Gräfin zu nennen.

Denn Uli Rotach, der Senne, warDer schönste der Appcnzeller,

Er führte der Kühe muhende SchaarZu der Alpe luftigem Söller.

Er jodelte grüßend und schwenkte den Hut, .Und Bertha verstand ihn nur allzu gut,

Sie grüßte hinwieder mit NickenMit liebe-glühenden Blicken.