Buch 
Rudolf von Werdenberg im Freiheitskampf der Appenzeller / von Thomas Bornhauser
Entstehung
Seite
4
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Jetzt tritt ein junger Mönch an's Thor,

Das volle Glas in den Händen.

Dein Jodeln ergötzte des Abtes Ohr,

Drum soll ich den Wein dir spenden.

Laß, Meinrad, dieß, du dummer Knab!

Schreit scheltend der Probst von der Mauer hinab,Schau lieber, ob indessenDie Rosse den Haber gefressen.

Der Senne leert das Glas sogleich:

Aufs Wohl der Schönen dort oben!

Dem Abte dank ich, o Herrchen, und euch,

Doch nicht dem Probste, dem groben.

Jetzt fällt ein Röschen aus Berthas Hand,

Das steckt der Hirt in des Hutes Band;

Er jodelt und bückt sich heiterUnd zieht mit der Heerde dann weiter.

Der Junker, das Mönchlein geht zurück,

Schön Fräulein fitzt vor der Kunkel,

Und wieder starrte der Gräfin BlickGedankenvoll und dunkel.

O Hedwig, Freundin, warum so still?

Ich weiß, was dein suchendes Auge will,

Von meines Vaters GästenGefällt dir doch Meinrad am besten.

Doch nein! du suchst, ich seh' es dir an,

Den Rosenberg, den Ritter.

O Thorheit! wann hätt ich solches gethan?

Sprach Gräfin Hedwig bitter.

Vergib, fuhr Bertha drollig fort,

Aus kluger Berechnung floß mir das Wort,

Ich wünsche, du möchtest des Armen,

Du möchtest dich meiner erbarmen.