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Erinnerungen aus meiner dritten Schweizerreise : meinem verwundeten Herzen zur Linderung vielleicht auch mancher traurenden Seele zum Trost geschrieben / von Sophie von La Roche
Entstehung
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205
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Ich lese Neckers Buch. Natürlich kann ichnicht in das Labyrinth der Finanzsysteme undIdeen eindringen, aber die Charakterzüge desMannes, kau» ich bemerken und sehen, was er,in dem für ihn und ganz Frankreich so kritischenZeitpunkt, von dem Vergangenen und Gegenwärtj,gen denkt. Ich bin überzeugt, daß seine Grund-sätze und Absichten rein waren, aber daß er un-glücklicherweise den Schauplatz der großen Welt zueiner Zeit betrat , wo moralische Gefühle, Liebedes gemeinen Besten und Rneigennützigkeit, ver-wiesene Tugenden waren, die man nicht mehrliebte und nicht mehr an sie glaubte! Was soll-len auch die Hofleute von Versailles mit einemMinister machen, der das Volk liebte , Überfluß!-gen Aufwand einschränkte, Ordnung und Wahr-heit haben wollte.

Sollte ich meine eigene Ideen wagen, so möchteich geradezu voraussetzen, baß der Geist eines mo-ralischen Republikaners, niemals mit dem Geniusder französischen Monarchie in einer trauten Ver-bindung stehen konnte, ja daß in allen Füllen dieursprüngliche Verschiedenheit ihrer Wesen immerin Streit seyn muß. Ich mochte auch den Ge-sichtspunkt kennen, aus welchem Necker den Na-