Sechstes Kap. Von den Zeiten zunächst rc. 171
Zweiter Abschnitt.
Von Ludwigs XIV. Tod bis zum OestreichischenSuccessionskrieg. 1715 — 1740.
Sechstes Kapitel.
Von den Zeiten, welche zunächst auf den Rastadt-Baden'schen Frieden folgten.
§. 1 .
Ludwigs XIV. Tod.
K. Ludwig XIV., welcher über ein halbes Jahrhundertlanq der Schwerpunkt der europäischen Pol tik oder die bewegendeKraft ihrer meisten Thätigkeit gewesen, starb am 1. Sept. 1715,nach einer 72 jährigen Regierung. Troz der gehäuften Unfällen,welche die lezte Periode seiner Herrschaft trübten, hatte er dochdurch eine endliche günstige Wendung des Geschicks das Hauptzielseines Strebeus, die Errichtung eines bourbo irischen Thronesin Spanien, erreicht, und somit in die Wagschale des ohnehinschon übermächtigen Frankreich noch das Gewicht des einst vondemselben gcfürchteten Spanien gelegt. Alle Künstelei der eng-lischen Diplomatie in Utrecht, die Ueberlaffung wichtiger Neben-länder an Oestreich, und die durch Eide gewährleistete fort-währende Trennung der spanischen und französischen Krone wür-den Europa wenig gesichert haben vor der französischen Präpotcnz,wenn nicht die rein zufällige, aus blos persönlichen Interessenentsprungene Entzweiung der beiden bourbonischen Regenten inSpanien und Frankreich ihre Politik wider einander gekehrt, unddurch solche Entgegensezung die Kräfte beider gelähmt hätte.
Aber die Glorie, womit das Gelingen solches Hauptwerkesden Abend von Ludwigs XIV. Regierung umstrahlt, wird sehrverdunkelt durch den hohen Preis, die unsägliche Erschöpfungseines Reiches an Geld und Menschen, womit er es erkaufte,und noch mehr durch den im Allgemeinen düsteren Charakter seinerlezten Regicrungszeit.