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Sechstes Kapitel. Die Congresse.
§. 4 .
Erster Wiener-Friede.
Zu gleicher Zeit stieg die Entzweiung Spaniens und Frank-reichs aufs Höchste. Der König Ludwig XIV., der indessengroßjährig, d. h. dreizehn Jahre alt, geworden war H, nahm anfangsden Cardinal Dubois — früher Staatssekretär für die auswär-tigen Angelegenheiten — des Herz. v. Orlcans Lehrer undCreatur, einen verschlagenen, gewandten, aber gewissenlosen undin jeder Schändlichkeit vollendeten Mann zum PremierministerVon ihm mochte man, ohne Gefahr zu irren, jedes erdenklicheSchlechte sagen, und seine eigene Maxime war, um ein großerMann zu werden, müsse man vorerst ein Schurke seyn ^). AlsDubois bald nach seiner Erhöhung starb H, ward der vorige Re-gent, Herz. v. Orleäns, Minister, und nach dessen in demselbenJahr erfolgten Tode der H. v. Bourbon, des großen CondeEnkel, doch seinem Ahnherrn sehr ungleich. Derselbe beleidigte Spa-nien aufs Empfindlichste durch die Znrückscndung der jungen Jn-fantin, welche noch als Kind vom H. v. Orleans zur Gemahlindes Königs bestimmt worden war, und bereits seit mehreren Jah-ren an dem französischen Hofe lebte '0- An Ihrer statt vermähltesich Ludwig mit Maria, StaniölausLescinsky's, des ver-triebenen Königs von Polen, Tochter. Aber solche Schmach sanktief in Philipps V., tiefer noch in seiner leidenschaftlichen Ge-mahlin Elisabeth stolzes Gemüth, und die europäische Politikempfand die Wirkung dieses Zornes.
Denn Oestreich, solche Stimmung benüzend, zog jezt listigSpanien an sich, und schreckte durch diese Annäherung Frankreichund die Seemächte. Dem spanischen Hof ward einige Aussichteröffnet, die Hand der Erzherzogin Maria Theresia für denJnfanten Don Carlos zu erhalten; auch mochte die UnterstüzungOestreichs zur Wiedcrerwerbung Gibraltars und Minorka'swirksam seyn. Diesen Hoffnungen sich hingebend, rief Spanien
1) 1723.
2) Viv juivöodu 6:>rd. Dubois. Doucl. 1789.
3) kd-issiui, Ilisl. du I.i dfidom.ido Iiiuo. I. V,
4) 1722- 5) 1725.