Band 
Achter Band.
Seite
214
JPEG-Download
 

214

Achtes Kapitel. Der Krieg über

§. 3 .

Krieg am Rhein und in Italien.

Dieses Alles geschah noch in demselben Jahr 1733. Im folgendenund nächstfolgenden vertheidigte Oestreich sich zwar nothdürftig,erfuhr aber noch größeres Unglück. Denn wiewohl am RHeinePrinz Eugen, Oestreichs langjähriger Schüzcr, den Hcerbesehlführte, so blieb doch der graue Held mit seinen schwachen übel-beschaffenen Truppen gegen die überlegene Fcindesmacht noth-wendig im Nachtheil. Er sah kummervoll den Fall Philip Pü-tz urgs und die Ausbreitung der Franzosen am RheineDieEntzweiung des Reiches, wie früher schon ost, gab den Fremdenden Sieg. Baierns feindselige Stellung — von seinen Planenauf's babsburgische Erbe herrührend — Zwang Oestreich zu Gegen-rüstungen und lähmte seine Kraft gegen Frankreich. Im folgen-den Jahre kam zwar eine Russische Hilfsschaar heran; aberder Widerstand Baierns erschwerte ihren Zug durch die Ober-pfalz; und Eugen, wiewohl jezt die Fortschritte Frank-reichs hemmend, blieb dennoch außer Stand, etwas Entscheiden-des zu thun. *

In Italien aber war Oestreichs Unglück vollendet. DerHeerführer Mcrcy verlor Schlacht und Leben bei Parma °),Königs eck ward bei Guastalla geschlagen, bald blieb demKaiser nichts übrig in Oberitalien, als die Feste Mantua.Zu gleicher Zeit gingen Neapel und Sicilien verloren, dieherrlichen Länder, zu deren Behauptung dem Kaiser nichts fehlteals die Liebe des Volkes. Das spanische Heer, unter dem Herzogvon Montemar, schien nicht stark genug, um die durch viele' feste und schwierige Gebirgslagen geschüzten Reiche gegen dieöstreichische Hceresmacht, der eine zahlreiche Nationalmiliz zurSeite stund, zu erobern. Aber die östreichische Regierung warder Nation verhaßt. Der Unterschied, in Sprache, Sitten undDenkungsart, zwischen den Eingebornen und ihren fremden Be-herrschern, welche die Kunst nicht verstanden oder es verschmähten,sich mit jenem durch kluge Schonung zu befreunden, manche Här-

1) 1734.

2) 1734, 2g. Juli.