Band 
Achter Band.
Seite
221
JPEG-Download
 

Türkenkrieg.

221

alle Talente hervorzog, zu großem Einfluß gelangt. Noch höherstieg er unter den folgenden Regierungen. Viele neue Einrichtun-gen im Kriegswesen, zumal das Eadettencorps, und die wichtigeukrainische, von Soldaten-Kolonien vertheidigte Linie, rührtenvon ihm her; seine Thätigkeit war ohne Grenzen, aber auch seineHärte. Die Barbarei seines Heeres bändigte er durch noch grö-ßere Barbarei. Dadurch besiegte er die Türken, und erfüllte dieweiten Steppen am schwarzen Meer, alles Land von der unternDonau bis zum Don mitLeichengeruch, ganz Europa mit grauen-voller Bewunderung.

Schon im ersten Feldzug überschwemmte das russische Heerdie ganze Krim. Aber Feindesschwert und Seuchen tödteten über30,000 Mann. Münnich eroberte Perekow und in Verbindungmit Lascy den Preis des Friedens am Pruth, das wichtigeAssow. Während schnell bewegliche Tartaren-Schwärme un-aufhörlich alle Stellungen der Russen beunruhigten, zog das Hanpt-heer gegen Oczakow. Zwanzigtausend Türken, Arnautenund Bosnier, vertheidigten diese durch Natur und Kunst wohl-verwahrte Feste. Nationalhaß und kriegerischer Eifer entflammtensie. Den Russen mangelte das nöthige Belagerungsgeräth. Alsogab Münnich, nachdem er einige Bomben in die Stadt geworfen,den Befehl zum Sturm. Einige Tage lang ward vergebens ge-stürmt, unter ungeheurem Menschenvcrlust. Da flogen, von denBomben entzündet, zwei Pulvermagazine auf, einige Tausend Men-schen gingen dabei zu Grunde. Während des Entsezens brachendie Stürmenden ein, fanden gleichwohl noch wüthende Gegenwehr,und eroberten endlich einen Schutthaufen. Auch diesen Schutt-haufen suchten die Osmanen wieder wegzunehmen, und verloren20,000 Mann in dem vereitelten Versuch.

§. 5.

Friede zu Belgrad. 1739.

Indessen hatte auch Oestreich, in Gemäßhcit älterer Trak-taten, für Rußland sich bewaffnet. Gerne hätte Kaiser Karl Vl.den Frieden erhalten; er fürchtete jede neue Verwicklung, die seiner

1) 1736.