222 Neuntes Kapitel. Russische Geschichten.
Tochter und der pragmatischen Sanktion etwa Gefahr bringenmöchte. Auch war vom Reich wenig Hilfe zu erwarten. Dennochentschloß er sich aus Bundestreue zum Krieg. Aber Eugen insfehlte. Alle Anstalten waren schlecht, es mangelte Geist »nd Muth.General von Seckendorf führte -,'n zahlreiches Heer an die tür-kische Grenze; Hunger und Seuche rieben einen großen Theil da-von auf. Sein Nachfolger, Graf Oliver Wallis, hatte keinbesseres Glück. Münnich zog durch die Moldau, sich ihm zunähern; allen Hindernissen, welche die Natur des Landes und derWiderstand des Feindes ihm entgcgensezten, Troz bietend. Unter-großem Verlust drang er fortan weiter. Bei Stawutschan,wo der Seraskier, Veli Pascha, ihn aus seiner günstigen Stel-lung hart bedrängte, erfocht er mit gleich großer Kunst als Tapfer-keit einen glänzenden Sieg ^). Hierauf fiel die Feste Ehotim,und unterwarf sich die Moldau dem russisch gesinnten FürstenKantemir. Schon wollte er die Hand dem östreichischen Heerereichen, als die Nachricht von dem zwischen dem Kaiser und derPforte geschlossenen Separatfrieden seinem FortschreitenZiel sezte.
Die östreichischen Truppen, unterWallis, Hildbnrghansenund Khevenhüller, waren wiederholt geschlagen worden, beiBanjaluka und amTimok und endlich entscheidend beiKrozkaan der Don an. Zehntausend Mann hatten auf dem lczten dieserSchlachtfelder geblutet. Da sehnte der Kaiser und sehnte seineErbtochtcr sich nach dem Frieden um jeden Preis. Die GrafenWallis und Neup crg unterhandelten denselben übereilt nnd, wieman nachher behauptete, mit Uebcrschrcitung ihrer Vollmacht. Der' lczte versprach im Lager vor Belgrad die Abtretung dieserHauptfeste und ganz Serviens, dann der östreichischen Walla-chei, endlich auch Orsowa's und eines Theils von Bos-nien an die Pforte. Das Temeswarer Bannst jedoch solltedem Kaiser bleiben Dieser Friede ward auf 27 Jahre ge-schlossen.
Die ganze Kriegslast lag jezt auf Rußland. Sonach warddieses gleichfalls zum Frieden geneigt, welcher auch unter Ber-
ti 1739, 28 Aug.
2) 1. und 18. Sept.