Band 
Achter Band.
Seite
270
JPEG-Download
 

270

Zwölftes Kapitel. Die Zeiten des

Ausländern seine Zuflucht nehmen. Nur in der Schriftstel-lerwelt, des Druckes der Censur ungeachtet, noch edler Schwung,veranlaßt eben durch die Betrachtung des National-Elends und desMuthwillens der Macht. Doch vergebens waren noch die Mah-nungen zum Bessern: Frivolität, böse Lüste und Uebermulh herrsch-ten am Hofe und in den Cirkeln der Hauptstadt, Verarmungund Knechtsflnn beim Volk und in den Provinzen.

§. 2 .

Spanien und Portugal.

Spanien besaß an Ferdinand II. (VI.) einen für dieEmporbringung seines Reichs eifrigen, ob auch von seiner portu-giesischen Gemahlin und von dem italischen Sänger Farinellibeherrschten, König. Eine Akademie der bildenden Künste, ein fürdie Thronrechte günstiges Concordat mit dem Pabste, Erhebungdes Ackerbaues und der Gewerbe durch Uuterstüzungen und An-stalten, Anlegung von Straßen und Kanälen, verbesserte Marineund vereinfachtes Steuersystem, bezeichnen die Regierung diesesMonarchen und seiner Minister Ensenada, Carvajal undWall. Als, nach dem tragischen Tod der Königin, Schwcrmnthden König in ein Kloster trieb, bestieg denselben sein StiefbruderKarl tl! '), welcher bisher Neapel und Sicilien besessen,und überließ den sicilischen Thron seinem dritten noch minderjäh-rigen Sohne, Ferdinand. Nach dem Sinne des Aachncr-Fricdens hätte Don Philipp von Parma und Piacenza nach-folgen und diese lezten Länder an Oestreich und Sardinienfallen sollen; Don Philipp aber behielt jezt deren Bcflz. Karls III.Vorfabrer hatte sich aus englische Seite geneigt, Karl Selbstaber war unbedingt Frankreich ergeben. Daher schloß er mitdiesem den Familienpakt der Bonrbonen^), welcher Spa-niens Gewicht ohne eigenen Vortheil ganz in die WagschaleFrankreichs legte. Das spanische Volk jedoch schwieg zu demseiner Neigung widersprechenden Bund. Als aber der MinisterSquillace die schwarzen spanischen Mäntel und breiten rundenHüte verbot, um die französische Tracht dagegen einzuführen, so

1) 1758.

2) 1761. 15- Aug.