Katharina die Große. Theilung Polens. 317
mühsam im Laufe der Jahrhunderte gebaute System eines euro-päischen Völkerrechts, überhaupt der öffentliche Rechtszustand allernah oder ferne mit Rußland in Berührung stehenden Staaten, istauf's Aeußcrste gefährdet worden durch die nimmer zu hemmendeUeberwucht des nordischen Kolosses.
Katharina Selbst, durch den Geist ihrer äußern Politik,hat die furchtbare Gefahr enthüllt, die von Rußland aus überganz Europa hereinbricht. Aber das Verhängniß oder die Ver-blendung der Gewaltigen gab und gibt den zum Widerstand nochvorhandenen Kräften eine andere Richtung, oder macht garAnstalt, sie zu ertödten.
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Auswärtige. Polnische Geschichte. Königs wähl I.
Ueber Polen, das durch die Mangel seiner Verfassungschwache, aber für das Ausland unbelcidigeudc Polen kam zuerstder Schlag der das Recht verachtenden Macht. Europa, dieganze civilisirte Menschheit erbebte davor.
König August lll., Kurs. von Sachsen, war gestorbenDie Wahl des Nachfolgers bewegte, entzweite, zerriß die Nation.Einheimische Partciung, mehr noch auswärtiger Einfluß, drohtenUnheil. Die Kaiserin Katharina begünstigte StanislausPoniatowski, welchen sie liebte; das Haus Czartoryskiwar eben demselben hold. Oestreich dagegen wünschte einensächsischen Prinzen; doch war der erst 13 Jahre alte Kurfürst(der Enkel K. Augusts III.) als unmündig nach den polnischen Ge-sten nicht wählbar. Preußen, durch seine mit Rußland ge-schlossene Allianz gebunden, widcrsezte sich Katharina's Bestrebun-gen nicht. Aber viele patriotische Polen scheuten und verwarfendie Dikratur des Auslandes. Mehrere ehrgeizige Familien strebtennach der Krone für ihr eigenes Haus. Bei so getheilten Ansichtenund der Leidenschaftlichkeit ihrer Verfechter wurden die Landtagestürmisch. Ueber dem Reich lagerten Anarchie, Parteienkampf,Waffengetös. Hieraus entnahm die Kaiserin den Vorwand, Trup-
t) Die gute Sache der Dünkenteu von W E- Christiani. Leipzig 1775Joh. v Müllers allg. Gesch. lll. Band.
S) 1763, 5. Okt.