Vierzehntes Kapitel. Kaiser Joseph II. 335
Maximilian II. der edelste der östreichischen Prinzen, nicht nurlebenskräftig, ruhmbegierig und talentvoll, sondern auch zugewendetden Interessen der Menschheit und den Ideen einer vorangeschrit-tenen Zeit, nahm ihr Werk auf und sezte es fort, in höheremStil und mit männlicher Entschlossenheit. Allerdings that er esauch mit Uebertreibung und in seinem Feuereifer nicht nurder physischen, sondern selbst der re cht li ch en Hindernisse zu wenigachtend. Doch nicht von daher kam die Fchlschlagung seinerschönen Entwürfe. Das Unrecht, zumal gegen das gemeineVolk, wurde man ihm verziehen haben. Aber er griff die Vor-ur theile der Menge, noch mehr, er griff das Interesse derprivilegirten Stände an; und er wurde verdammt und unterdrücktdurch die Leidenschaft und Macht dieser furchtbaren Gegner allesGuten. Vergebens ruft man uns heute unablässig in's Ohr:„Revolutionen, d. h. Verbesserungen des gesellschaftlichen Zustandesdurch den Volks-Willen'bewirkt, seyen heillos; dagegen Refor-men, durch die legitime Autorität der Herrscher bewirkt, ehrwürdigund heilbringend". Auch der legitimste Herrscher, sobald erreformircn, d. h. den ungerechten Besszstand nach Grnndsäzendes ewigen Rechts und der Humanität verbessern will, wird gehaßtund geächtet. Nichts soll heilig seyn, als der Privilegirten histori-sches Recht.
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Kaiser Josephs ll. einheimische Verwaltung.
Noch während Theresicns Leben hatte Joseph den Kriegs-staat, dessen Verwaltung die Mutter ihm anvertraut hatte, gleichweise als eifrig geregelt und, gestärkt an Geist wie an materiellemBestand, wundcrwürdig cmporgcbracht. Seine Entwürfe für dieReform der übrigen Verwaltungszweige verschloß er noch in seinInneres, bis er die Selbstherrschaft anträte; aber er benüztc, demgroßen Peter nacheifernd, diese kostbare Zeit zur Selbstbildungdurch Studien und durch Reisen. Forschgierig und hellen Blickesdurchwanderte er also die Länder von den Pyrenäen bis zurKrim, von Neapel bis Moskau; sa er sezte selbst noch alsHerrscher solche belehrende Reisen fort.
Im Jahr 1780 (28. Nov.) überließ seine Mutter ihm denThron der östreichischen Monarchie. Schon 1765, nach dem Tode