336 Vierzehntes Kapitel. Kaiser Joseph II.
seines Vaters, Franz Stephan, war sein Haupt mit derTeutschen Kaiserkrone geschmückt worden. Auch zum Mitregentcnder Oestrcichischen Staaten ward er damals erklärt, doch bliebder Mutter Wille entscheidend. Die Erwartung großer Dingeging vor ihm her, und Er hat sie erfüllt, wiewohl das Schick-sal sie wieder zerstörte.
Ein Hauptgebrechen von Theresiens Staatsverwaltung warDernachläßigung der Finanzen gewesen. Die Milde, mitunterauch die Schwäche, der Kaiserin Königin trug hievon die Schuld.K. Josephil. kündete sofort als sparsamen und strengen Staats-wirth sich an. Er persönlich, durch die einfachste, gemein bür-gerliche Lebensweise, schärfte die Lehren der Mäßigung undpatriotischen Entsagung ein. Daher glaubte er auch, von Andernsie fordern zu können, und reformirte —etwas hart, zumal auchder Gnadenverleihungcn der Mutter nicht achtend—den Hof so wieden Stand der Pensionisten und Beamten. Alle Zweige der öffent-lichen Einnahme und Ausgabe wurden einer sorgfältigen Regelunterworfen, ein strenges Rechnungswesen eingeführt, und dieFüllung der Staatskassen emsigst auf jede Weise betrieben. Auchbedurfte der östreichische Staatshaushalt solcher Wiederherstel-lung; ob dabei einiges übertrieben ward in der Strenge, mag, jenach dem Standpunkt der Beurtheilung, bejaht oder verneint werden.
Ackerbau, Gewerbe und Handel erfreuten sich natürlichder sorgsamen Pflege des gleich verständigen als eifrigen Staats-wirths. Doch gab er sich einerseits den Schwärmereien derPhysiok raten, anderseits den engherzigen Berechnungen derMerkantilisten hin; und stellte, um den Geldabfluß zu ver-hindern, durch ein hartes Mauthsystem sich der Handelsfreiheitfeindlich entgegen, während er liebend dem Ackerbau, der aberohne Handelsflor niemals regen Aufschwung nimmt, väterlicheHuld bezeigte.
Bei aller Strenge jedoch in Hintanhaltnng jedes unnöthigenAufwandes wußte Joseph, wo er als Gründer auftrat, mitkaiserlicher Hand zu schaffen und zu geben. Die JosephinischeAkademie für Aerzte und Wundärzte, die kaiserliche Bibliothek,verschiedene Krankenhäuser und Militäranstalten u. a., die er theilsstiftete, theils bereicherte, sind Denkmale seiner Großherzigkeit.