338 Vierzehntes Kapitel. Kaiser Joseph II.
gar langer Zeit I ein fanatischer Erzbischof seine protestantischenUnterthanen verfolgt, und ihrer viele Tausende zur Auswande-rung gezwungen hatte, versöhnte jezt ein edlerer Nachfolger diebeleidigte Christuökirche und das zürnende Vaterland durch ächtevangelischen Geist und aufgeklärte Hirtensorge. Der Erzbischofvon Mainz, der Bischof von Würzburg und Bambergu. a.erwarben ähnlichen Ruhm. Auch protestantische Fürsten undVölker erkannten die Ehrenpflicht, einem katholischen Herrscherund Volk an Duldung nicht nachzustehen, und legten die Scheuab vor dem Katholizismus, dessen edlere Gestalt ihnen kund geworden.
Dagegen erhoben Beschränktheit, Fanatismus und Pfaffenthumbittern Kampf wider Josephs Toleranz-System; noch hefti-geren aber wider seine Neso rmations arbeiten in der herr-schenden Kirche. Mit Entsezcn vernahm der Frömmling die Aufhe-bung einer großen Zahl von Mönchs- und Nonnenklöstern (derenVermögen jedoch nicht in die Chatoulle und nicht in dieKricgs-kasse, sondern in die Religions - und Studienkasse floß), dieEinschärfung der — zwar schon unter der frommen M. Theresiaerlassenen, aber unter ihr nur lässig befolgten — Amortisatious-Geseze, und die Zcrschneidung alles, dem Staat oder der Kirchenachthciligen Zusammenhangs mit Rom durch Behauptung derSelbstständigkeit der Bischöfe, durch Losreißung der Mönchsklöstervon der Obedicnz gegen die Ordensgenerale in Rom, und durchHandhabung des landesherrlichen Gcnehmigungsrechts (pl-^ei,,,^i-oi;iu,li) für alle kirchlichen Verordnungen. Aber die Wohlgesinntenfreuten sich solcher Abschüttlung lästiger oder schmachvoller Fesseln,und segneten den Kaiser, welcher endlich in's Werk richtete, wasvicrthalbhundert Jahre früher die aufgeklärte Kircheuversammlungin Basel kühn erstrebt, der engherzige K. Friedrich III. aberdurch seine Aschaffcnburger-Concordate wieder vereitelthatte. Sie sahen ihm selbst einige Ueberschrcituug der landes-herrlichen Befugnisse—nach strenger Bedeutung des Wortes —nach, und bekräftigten durch laute Zustimmung die von ihm dik-tatorisch verordnete Reform. Die Sorgfalt des Kaisers, durchAnlegung wohlgeordneter Seminarien und geistlicher Unterrichts-
1 ) 1729 — 1733 .