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Vierzehntes Kapitel. Kaiser Joseph II. 339

anstalten tüchtige Seelsorger zu erhalten, die Errichtung zahlreicherneuer Pfarreien, die Sicherstcllung eines allen wahren Bedürfnissender Kirche genügenden Fonds und der zweckmäßigsten Verwendungdesselben, leisteten übrigens Bürgschaft für seine christlich-frommeGesinnung.

Der Römische Hof indessen erschrack über den kaiserlichenReformationsplan, und so dringend erschien ihm die Gefahr, daßPabst Pins Vl. durch sclbsteigene Reise nach Wien sie zu be-schwören für räthlich hielt I. Mit Erstaunen sah die Welt denrömischen Oberpricstcr, zu dessen Stuhl einst die Kaiser demüthigum Segen oder um Vergebung flehend gepilgert waren, jezo alsBittenden zum Nachfolger derselben Kaiser ziehen. Aber die Rechts-überzeugung Josephs wich der apostolischen Bitte nicht. Mitallen Ehrenbezeugungen, die seiner Würde ziemten, .ward Piusin Wien empfangen, doch unbefriedigt in allem hierarchischenBegehren wanderte er zurück nach Rom. Um dieselbe Zeit hatteauch der Thibet'schc Dalai Lama eine gleich vergebliche Reisezum Kaiser von China gethan.

§. 3.

Kirchengeschichte.

Diese fruchtlose Reise des Pabstes war aber vorzüglich merk-würdig nicht an und für sich, oder blos in Bezug auf KaiserJosephs Reformen, sondern als Andeutung eines allgemeinen neuenZeitgeistes und eines überall in der katholischen Welt eingetretenenUmschwungs der Meinung. Laßt uns einen Augenblick bei dieserWirkungsreichen Erscheinung verweilen ^).

Troz aller Hindernisse, welche Hierarchie und Mönchthum,Censur und Inquisition, auch vieler Machthaber Engherzigkeitoder böse Politik dem Aufkommen lichter Ansichten in kirchlichenund religiösen Dingen entgegensezten, hatte die voranschrcitendeWissenschaft allmälig mit ihren alles durchdringenden Strahlendas einst finstere Gebiet erhellt, und gewann das freiere Urtheilüber sonst gedankenlos nachgebetete Lehren mehr und mehr Eingang,

1) 1782.

2) Wir haben einiger kirchlicher Verhältnisse bereits oben, e»-§ 2. ff. und Kap. X. §. 2. erwähnt; zur Vervollständigung " '

wärtige Uebersicht. . die gegen-