248
und Parteyherrschaft ihren Vortheil zu finden hofft, glaubt sol-chen Verleumdungen gerne. Beynahe ganz verschwand der ru-hige republikanische Geist. Der bey den «»gezähmten Mensche»jenes Zeitalters nur auf Ueberzeugung beruhende Gehorsam hörteauf gegen getheilte Obrigkeiten, welche selbst ihre kraftlosen Ge-setze brachen. Der aus Beute und Pensionen entstandene plötz-liche Reichthum reizte die Eigenthümer zur Verschwendung undSittenlosigkeit. Bey Andern entflammte er die Begierde, sichum jeden Preis die Mittel zu ähnlichen Ungebundenheiten zuverschaffen. Arbeitsliebe wechselte noch häufiger als bisher mitlocken» und gewinnreichem müßigem Leben. Häusliche Tugen-den wurden selten; jene Sittenlosigkeit, welche die strenger»häuslichen Verhältnisse nicht mehr achtet und durch Zerstörungdes Pflichtgefühles des Weibes dem moralischen Werthe einesVolkes die tiefste Wunde schlägt, machte öffentliche Fort-schritte.
Sehr nachtheilig hatte der Burgundische Krieg auf den in-nern, Zusammenhang der Orte gewirkt, und mächtig die früherschon gefährdete Eintracht erschüttert. Neben der Eifersucht derübrigen Orte auf Bern waren die Länder mißtrauisch auf dieStädte geworden. Es schien ihnen, diese seyen mit Freyburgund Solothurn besser einverstanden, als mit ihnen, unddie beyden letzter« wirken mehr auf die gemeinschaftliche» Ange-legenheiten als sie, die alten Eidsgenoffen. Nicht nur warensie durch ihre Lage von der unmittelbaren Theilnahme an Ero-berungen ausgeschlossen, sondern sie glaubten sich zurückgesetzt.Ihnen blieb es nicht verborgen, wie sehr die Städte für sichselbst und ihre einflußreichen Magistratspersonen im Verhältnissezu ihnen Vortheile aus dem ausländischen Gelde gezogen hatten.Nicht weniger waren sie unzufrieden über die Schicksale derBeuten, weil viele aus ihnen glaubten, diese hätten nach denOrten vertheilt werden sollen. Ihre Führer selbst fanden sichppm Auslande zu wenig berücksichtigt.
Denjenigen, welche von häuslicher Thätigkeit sich entwöhnt