Band 
Erster Band.
Seite
493
JPEG-Download
 

495

öer unabhängige, nur unter dem Schuhe der III Bünde stehendeFreyherr die Reformation vollends eingeführt. Iu'Tscherlitz,wo Bern und Freyburg gemeinschaftlich regierten, war 1618 eineAbstimmung günstig für die Evangelischen ausgefallen. — Umdiese Zeit erneuerten die Walliser mit den Bündnern und denBernern die Bündnisse. Einem Jesuiten hatte die Stadt Sittenden Zutritt zu der Kanzel abgeschlagen; dem Bischöfe war bedeu-tet worden, der von ihm für die Firmung bestimmte Tag seynicht gelegen, und in allen diesen Erscheinungen glaubten ängst-liche Gemüther, einen tief liegenden Einfluß der Neformirten zuentdecken. — In Bünden hatten blinder Parteygeist und wüthen-der Fanatismus bereits das Recht in Gewalt verkehrt. Mit einMahl erhielt Lern von dem Englischen Gesandten zu Turin ausder Hand des HerzogS die Abschrift eines Schreibens der katho-lischen Orte, welche denselben zur Bundeshülfe, vornehmlich ge-gen Zürich und Bern, aufforderten, weil diese zur Unterdrückungder Katholischen, insbesondere der EiSthümer Chur und Sitten,mit Deutsche» Fürsten einverstanden seyen. Man hörte, anFrankreich und den Statthalter in Mayland seyen ähnliche Briefeabgegangen. Das Zusammentreffen des Französischen Gesandten,de Vic, mit dem Spanischen bey einer katholischen TagleistuugL» Beckenried und Zie Reise des erster» nach Mayland hatten dieReformirten bereits in Unruhe versetzt. Sie versammelten sichzwey Mahle. Bern trug an, vom Könige die Zurückbcrufungdieses, durch verschiedene Handlungen gefährlichen Gesandten sichauszukitten. Im November tratLU Baden eine allgemeine Tag-leistung zusammen. Die Reformirten beschwerten sich über dieim Schreiben an Savoien gebrauchten Ausdrücke „Ketzer undverfluchte Secte." Sie erklärten, niemahls haben sie jemand mitGewalt von seiner Religion verdrängen wollen; die Katholischenhingegen, sie haben kein Mißtrauen, hätten aber durch Drohun-gen , Wachen an den Grenzen und den Aufenthalt fremder Kriegs-völker dazu veranlaßt werden können; des Wortes bsmericl müsseman sich gegen die Italiener bedienen, um verstanden zu werden.