Band 
Zweyter Band.
Seite
430
JPEG-Download
 

450

Die beyden letzten Punkte waren eine Folge der staatsrechtli-chen Stellung, welche die Eidsgenoffen seit dem WestfälischenFrieden, vornähmlich Zürich und Bern während des Toggen-burger-Krieges gegen den Kaiser und das Reich behauptet hat-ten. Stein zögerte, gab keine ganz bestimmte Antwort. Un-ruhige Bewegungen erfolgten, und die Bürger, welche Zürichgehorchen wollten, wurden bedroht. Endlich ließ Zürich am 8März 1784 die Stadt durch einige hundert Mann besetzen,welche keinen Widerstand fanden, und bis am 24 April daselbstverblieben. Die Stadt mußte 10,000 Gulden an die Kosten bezah-len. Der Bürgermeister Winz wurde auf zehn Jahre zur Ge-fangenschaft verurtheilt; der Eerichtschreiber Winz bey einemHolländischen Kaufmanne in Surinam untergebracht. MehrereRathsglieder und Bürger wurden mit geringern Strafen belegt,und durch ein gemäßigtes Verfahren die Ruhe so hergestellt,daß während der wiederhohlten Volksbewegungen, welche dereidsgenöffischen Staatsumwälzung vorher gingen, die StadtStein ruhig und Zürich zugethan blieb, bis eine neue Verfas-sung sie einem andern Cantone zutheilte. Der bestrafte Jüng-ling machte in dem fremden Welttheile sein Glück, kehrte in seinVaterland zurück, und der Canton Schafhausen, dem jetztStein angehört, erhob ihn zu öffentlichen Ehrenstellen.

Einzelne gebildete und vaterländisch gesinnte Männer in Grau-bünden verbreiteten durch Wort und Schrift, durch Anlegungvon Bibliotheken und Lehranstalten, durch gelehrte und gemein-nützige Verbindungen einzelne Lichtstrahlen bey einem Volke,das mehr als manches andere reich an Edelsteinen ist, die nurder Politur bedürfen, um zu glänzen. Auf einer sehr niedri-gen Stufe stand die Bildung der Katholischen, und wenigbesser war diejenige der Reformirten, deren Geistliche und Leh-rer bey der ärmlichsten Besoldung und gänzlicher Abhängigkeitvon ihren Gemeinen kaum das Notdürftigste leisten konnten.Dieser Mangel geistiger Bildung erzeugte Secten, und ihr star-res Benehmen erfuhr hinwiederum die Verfolgung der Orthodoxen.