Buch 
Deutschland und das uebrige Europa : Handbuch der Bodens-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik; des Staatshaushalts und der Streitmacht / in vergleichender Darstellung vom Dr. Freih. Fr.W. v. Reden
Entstehung
Seite
543
JPEG-Download
 

Deutschlands Handelsflotten. Rhederei und Schiffbau.

543

.. Es besteht die Bemannung der unter ad. a. genannten Schiffe aus:

Einem Kapitän, einem Obersteuermann, einem Untersteuermann, einem Zim-l mermann, sechs bis elf Matrosen, zwei Leichtmatrosen, zwei Jungen und einem Koch,j Die Bemannung der ad. b. genannten Schiffe besteht aus:

j Einem Kapitän, einem Steuermann, einem Zimmermann, vier bis sieben

i Matrosen, ein bis zwei Halbmatrosen, ein bis zwei Jungen und einem Koch.

3. Was die erfolgreiche Mitbewerbung Deutscher Schiffe in derau ss ereuropäischen Frachtfahrt und in den wichtigsten Eur o päis chen See-frachtlinien mit denen der andern Nationen betrifft, so gehen aus den gemachtenAngaben folgende Ergebnisse hervor.

Die Oesterr. Schiffe können bei der aussereuropäischen Frachtfahrt,befähigt dazu, durch ihren soliden Bau überall konkurriren; in der Nordsee undim Baltischen Meere treten die Nordischen Flaggen in nachtheilige Konkur-renz weil sie, bei den geringen Gehalten der Mannschaften, billigere Frachtenstellen können; im mittelländischen und schwarzen Meere treten die Russen,Griechen, Neapolitaner, und Sardinier als gefährliche Mitbewerber auf,da ihre Schiffe leichter gebaut, daher billiger im Preise sind und sich mehrst nurauf Frachten innerhalb der Strasse von Gibraltar beschränken.

Die Preussisclien Schiffe könnten mit allen Flaggen konkurriren,(denn man giebt sogar in vielen Häfen der Preuss. Flagge den Vorzug, beson-ders wegen der bekannten bessern nautischen Bildung der Führer) wenn nichtHandelsverträge oder politische Verhältnisse und namentlich früher die EnglischeNavigationsakte so oft ungünstig einwirkten. Letztere stand namentlich den sehrwichtigen Frachtfahrten aus dem schwarzen Meere, aus den Vereinigten Staaten,aus Brasilien und Ostindien nach England hindernd entgegen. Daher allein kames, dass Preuss. Schiffe, von den genannten Weltgegenden kommend, fast nurauf die Frachtfahrt nach Häfen zwischen Havre und Hamburg, nach der Ostsee,mitunter auch nach dem Mittelmeere verwiesen waren; insofern sie nicht (wasaber die Regel ist) auch dort wegen der Differenzialabgaben nicht konkurrirenkönnen. Dazu kommt, dass häufig die Frachtsätze der Preussisclien Flaggegeringer gestellt werden als den Engländern, weil die kostbaren Ladungenfast immer in England versichert sind und höhere Prämien aus dem Grundezahlen müssen, weil die Britischen Assekuranz-Kompagnien nur aus Englischenund Afrikanischen Eichen erbaute Schiffe zur ersten Klasse rechnen. (Die letz-tere Angabe wird in ihrer Allgemeinheit dadurch zweifelhaft, dass das gedruckteReglement des Englischen Lloyd eine solche Bedingung bei Klassifizirung derSchiffe nicht enthält). Gesicherter ist die Konkurrenz der Preussisclien gegen dieSchwedische, Russische und Finländische Flagge, da diese Schiffe(ihrer leichten Bauart wegen häufig Havarien unterliegen), in der a u s s e r europäi-schen Frachtfahrt und in den Häfen des mittelländischen Meeres der Preussi-sclien Flagge hintenangesetzt werden.

Die Hamburger Schiffe werden in ausser europäischen Häfen sehr gern