Dampfschifffahrt insbesondere.
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ebendiese Voraussetzungen, und dass sie so selten erfüllt werden, hat die Dampf-boote des Missisippi in Übeln Ruf gebracht. — Der Druck auf die Maschi-nen und Kessel, welche die Themse befahren, ist gewöhnlich zwischen 4 und6 Pfd. per Quadratzoll; Seedampfboote und auch Boote auf andern Flüssen stei-gern den Druck bis höchstens 12 Pfund per Quadratzoll. — Die Kessel derSchiffdampfmaschinen sind verschieden gestaltet; das System innerer Feuerunghat schon länger allgemeinere Anwendung gefunden; die s. g. Lokomotivkesselsind mit gutem Erfolge in neuester Zeit eingeführt. — Die älteren Dampfschiffewaren von Holz; eiserne Dampfboote kennt man seit 1825, jedoch wurden sieselbst in England erst seit 1832 (durch Fairbairn) allgemeiner; dann bald inFrankreich (von Cave in Paris), Schweden (zu Motala), Belgien u. s. w. nach-geahmt. Sie scheinen für die Binnenfahrt manche Vorzüge zu gewähren. —England und die Verein. Staaten haben das mehrste Verdienst um die Vervoll-kommnung der Dampfschifffahrt, ihnen ist Frankreich, Holland, Belgien und Deutsch-land gefolgt. — Die neuesten Jahre haben viele Verbesserungen hinsichtlich fastaller Theile der Dampfboote gebracht. Obgleich hier nicht der Ort ist dieselbendarzulegen, scheint doch nützlich über die bis jetzt wichtigste Verbesserung Eini-ges mitzutheilen. Dies ist die Anwendung der Schraube (screw, helice) alsMittel der Schiff-Fortbewegung. (Z. v. darüber z. B. die vortreffliche Marine-Zeitschrift, Triest 1853, S. 235 u. s. w. den Bericht über die Ausstellung inLondon; das Bremer Handels-Blatt 1853, Nr. 79). Ihr Erfinder ist Smith, Far-mer zu Hendon in England, der im Jahre 1835 die erste Anwendung davonmachte. Schon ihm Jahre 1838 liess die Britische Regierung den „Archimedes“nach diesem System einrichten; stellte vergleichende Versuche an und dadurchwurde das Vorurtheil so rasch beseitigt, das schon im Jahre 1840 eine MengeSchraubenschiffe auf den Privatwerften lagen und 1841 das erste Schraubenschiff(Rattler) für die Britische Marine gebaut wurde. Fast gleichzeitig (1836) warder Schwede Kap. Ericson auf den Gedanken der Anwendung der Schraube beiSchiffen gekommen; er fand in den Vereinigten Staaten Unterstützung, wo schon1840 die V. St. Fregatte „Princeton“ mit der Schraube versehen wurde. Ihmgebührt das grosse Verdienst einer bedeutenden Verbesserung, indem er von derSchraube, die sich als ganze Gewindstufe um die Welle wand, abgegangen istund dieselben mit Flügeln, d, i. mit Segmenten aus der Gewindestufe, versehen,dadurch aber die Wirkung bedeutend erhöht hat. Jetzt schon, 13 Jahre später,ist es dahin gekommen, dass man bei der Kriegsmarine für unerlässlich hält,die Segelschiffe der Dampfflotte gänzlich unterzuordnen und die Räderschiffein Schraubenschiffe zu verwandeln. Die Britische Regierung hat desshalb einenTheil ihrer grossen Dreidecker und Zweidecker mit Dampfmaschinen und Schrau-ben versehen lassen; die Französische Regierung ist (so weit ihre Hülfsmittelgestatteten) darin nicht zurückgeblieben und auch die übrigen Seemächte folgendiesen Beispielen. Weiter unten, wird, bei Darstellung der Kriegsflotten, der jetzigeStand dieser Umwandlung sich ergeben und zugleich die bewerkenswerthe That-