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Deutschland und das uebrige Europa : Handbuch der Bodens-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik; des Staatshaushalts und der Streitmacht / in vergleichender Darstellung vom Dr. Freih. Fr.W. v. Reden
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Dampfschifffahrt insbesondere.

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im mindesten gestört und die Maschinen arbeiten stets gleichmäsig mit einander fort. An einemRäderboot dagegen leiden bei einer solchen Lage die Maschinen abwechselnd sehr und brechenoft ihre Kobeln, Kränke oder Räderwellen.

4) Schwere Stürme von hinten, wodurch der Seegang zu einer bedeutenden Kraft heran-wächst, begünstigen die Schraube sehr, wogegen die Wellen, yom Winde schwer getrieben, stetsden Rädern entgegen arbeiten, und dadurch entstehen au den Schaufeln und Räderkasten oftBeschädigungen.

5) Im dichten Treibeise, in welchem kein Räderschiff mehr fort kann, geht die Schraubeihren Gang ruhig durch, und bringt das Schiff an Ort und Stelle. In dieser Hinsicht ist sieallem Andern vorzuziehen.

Endlich ist es nicht zu verkennen, dass ein Schraubenschiff mit seiner glatten Seite,wenn es die See befahren soll, und nicht als Flussboot dienen muss, viele Vortheile darbietet.Selbst beim Verholen in Docken und Schleusen geht ein Schraubenschiff ohne Störung durch,während man mit den Räderkasten allenthalben fest hakt und mancher kleinen Reparatur aus-gesetzt ist.

In den hier hervorgehobenen Punkten übertrifft also die Schraube das Rad. Wir wollenaber auch auf einige Nachtheile hinweisen.

1) Man muss wohl in Erwägung ziehen, dass die Schraube während der Reise über denatlantischen Ocean ihre Arbeit stets ganz unter Wasser verrichtet, und bei den vielen Rotationenhinsichtlich des Verschleusses oder bei etwaigem Bruch da liegt, ohne dass dem Uebelstandoabgeholfen werden kann, wohingegen bei einem Räderschiff fast jeder Schaden an den Rädernauf der Reise selbst sich wieder ausbessern lässt.

2) Die Schraube ist sehr geneigt zum Fischen, wobei ihr die Construction des Schiffsäusserst behülflich ist. Das Schiff setzt das Wasser mit der breiten Boog auseinander; so wiees die grösste Weite des Schiffs passirt, drängt es hart wieder auf das Hinterschiff zusammen;also Alles was in den Weg kommt, sei es eine Leine oder sonstiges Tauwerk, wird gleichsamwie auf einem Haspel durch die Schraube aufgewunden, wodurch oft bedeutende Störungen inder Fahrt verursacht werden.

3) Die Schraube ist an dem hinteren Ende des Schiffs angebracht und es ist nicht zuverhindern, dass dasselbe mit schwerem Stampfen oft 8lOF'uss hinten, und abwechselnd vorn,aus dem Wasser sich erhebt. Die Schraube kommt in solchen Fällen bedeutend aus dem Wasserund arbeitet oberhalb in der Luft; dadurch wird das Schiff im Fortgang verhindert. Dagegensind die Räder, fast im Mittelpunkte des Schiffs angebracht, gerade da, wo die wenigste Be-wegung Statt findet. Namentlich in Bezug auf das Stampfen ist die Mitte des Schiffs so zu sagender Ruhepunkt: dort haben die Räder dann stets ihre volle Fassung im Wasser, arbeiten mithinbesser als die Schraube, wenn diese abwechselnd halb aus dem Wasser erhoben wird.

4) Da der Fortgang des Schiffs von der Steigung und Schnelligkeit der Schraube ab-hängt, so sind in England viele Versuche gemacht worden, um eine feste und zweckmäsigeRegel über die Scbraubensteigung ausfindig zu machen. Bis jetzt ist man aber noch nicht zueiner solchen gelangt. Bekommt die Schraube einen feinen Einschnitt, oder wenig Steigung, wasallerdings sehr bequem für das Hinterschiff ist, so muss sie natürlich mehrere Umdrehungenmachen, um die Distance zu erreichen; aber je mehr Umdrehungen, um so mehr Dampf habenauch die Kessel zu entwickeln. Damit ist also auch ein grösserer Kohlenbedarf verbunden.Bei einem Einschnitte oder einer Steigung von gröberer Art, können die Maschinen langsamergehen, und man erreicht den verlangten Fortgang des Schiffs; das ist freilich sehr im Interesseder Maschinen und empfiehlt sich hinsichtlich des Verschleusses, des Kohlenbedarfs, Oels etc.Da die Cylinder mit jedem Hub wohl gefüllt sein müssen, so ist bei einem raschen Gange derMaschinen auch eine rasche Abnahme von Dampf; also wäre eine grosse Steigung der Schraubedie vortheilhafteste. Aber hier stellt sich wieder ein Uebelstand heraus, der wohl berücksichtigtzu werden verdient. Je mehr die Schraube gebogen wird oder Steigung erhält, um so nachthei-