688
Handels Erwerb.
England, welche einen regelmässigen Absatz dahin mit massigem, aber ziemlichsicherm Gewinn ermöglicht, eine bessere Grundlage gewonnen. Das gilt vorzüg-lich für Sommergetreide, so dass voraussichtlich der Anbau desselben immermehr zunehmen wird und in der Folge sogar eine jährliche Rocken ein fuhrerforderlich werden möchte. Uebrigens hat sich (der Nachfrage und der Preis-stellung folgend) die Getreideausfuhr nicht ausschliesslich seewärts, vielmehr zumTheil auch südlich in das Westfälische und westlich in das Gröningerland be-wegt. Der Pferde- und Viehhandel ist in den letzten Jahren bei guten Preisenbesonders lebhaft gewesen. Dieser Handel ist grösstentheils in den Händen vonKaufleuten, die in Weener und Neustadtgödens ansässig sind. Pferde wurdenhauptsächlich nach Frankreich, Belgien und nach den Niederlanden; Horn-vieh besonders nach dem Magdeburgischen, nach Schlesien, nach Hannover,und nach den Niederlanden; Schafe vorzüglich nach Bremen abgesetzt. Fürdie Hornviehausfuhr wird noch eine grössere Belebung des Handels von demAnschluss an den Zollverein erwartet. Der Pferdehandel wird vorzugsweise aufden weithin bekannten Auricher Pferdemärkten, die stets eine grosse Mengeauswärtiger Kaufleute herbeiziehen, gemacht.
Der Handel mit Butter und Käse war in den letzten Jahren wenigererheblich als früher, weil die Erzeugung geringer war. Das Buttergeschäft hatdie frühere Richtung nach England mehr und mehr aufgegeben. Der Absatzdahin beträgt jetzt nur noch etwa Vio der Ausfuhr, wogegen 9 /io in das innereDeutschland gehen.
Ostfriesischer und Papenburger Torf wird nach der Jade, Weser, Elbeund nach Helgoland abgesetzt. Der Handel mit frischen Seefischen nachHamburg und Bremen, sowie der Handel mit Emdener Heringen ist neuer-lich von geringerer Bedeutung, als früher; weil der Fischfang sehr ungünstigeErgebnisse lieferte, gleichwie die Grönländische Fischerei, bei der sich eine inEmden zusammengetretene Gesellschaft im Jahre 1852 zum ersten Male miteinem Schiffe betheiligte.
Das Einfuhrgeschäft beschränkt sich zur Zeit auf den Verbrauchder Provinz, weil auf entfernteren Märkten, mit Bremen und den Niederländi-schen Häfen von Ostfriesland aus in Ermangelung gleich günstiger Kommuni-kationsmittel zur Zeit noch nicht konkurrirt werden kann. Ueberseeische Ar-tikel werden daher bis jetzt nur in zweiter Hand von Hamburg, Bremen, Amster-dam und Englischen Plätzen, und nur ausnahmsweise aus den Erzeugungsländernbezogen. Hervorzuheben ist noch die bedeutende Einfuhr der Papenburger vonSchiffsbaumaterien, die hauptsächlich zu dem dortigen Schiffsbau gebraucht,zu einem geringeren Theile auch nach Ostfriesland und in die Provinz Gronin-gen gesandt werden. Namentlich wird Holz aus Westfalen, von den Ostseeküstenund von Norwegen, Eisen und Kupfer aus Schweden und England, Hanf undTheer aus Russland eingeführt.
Das schon seit Jahren in Leer heimisch gewordene Speditions-Ge-