Band 
Erster Band.
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Geschichte der alten Welt.

hängigkeit von dem nordwestlich von demselben entstandenen grie-chischen Reiche Baktrien. In Folge dieser Verhältnisse zu denSyrern und Baktriern standen die Indier sehr lange in dem leb-haftesten Verkehr mit Völkern von griechischer Sprache, Sitte undBildung. Dies konnte nicht ohne bedeutenden Einfluß auf sie blei-ben, namentlich in ihrer Literatur; und gewiß ist das Meiste von dem,was sich bei beiden Völkern einander ähnlich zeigt, nicht als von denJndiern zu den Griechen gekommen, sondern umgekehrt anzusehen.

In jenen Zeiten lebten zwei berühmte indische Könige, welche oftangeführt werden und darum nicht unerwähnt gelassen werden dür-fen. Sie heißen Vikramaditya und Saliwahana, und bil-den den Gegenstand vieler Sagen und Poesieen; auch wird dieRegierung des Ersteren als die Blüthezeit der indischen Wissen-schaft und Kunst angesehen. An die Namen dieser Könige knüpfensich außerdem zwei besondere Zeitrechnungen an, von welchen dieeine (die des Saliwahana, 78 nach Chr. beginnend) die wenigerwichtige, die andere aber (die des Vikramaditya, 56 vor Christobeginnend) noch jetzt in Indien allgemein gebräuchlich ist.

Nach dem Untergang der bayrischen Herrschaft waren stetseinzelne Theile Indiens den Beherrschern von Persien unterworfen.Tausend Jahre nach Christo aber wurde das ganze Land von mo-hammedanischen Völkern erobert, und seitdem ist das indische Volknie wieder unabhängig geworden. —

Neben diesen, für die Zwecke allgemeiner Bildung wichtigstenPunkten der älteren indischen Geschichte bietet das indische Volkein ganz besonderes Interesse durch die seit uralter Zeit unverän-dert gebliebenen Eigenthümlichkeiten seines Wesens dar. Die In-dier sind von andern Völkern, namentlich auch von der gleich ihnenuralten chinesischen Nation, in hohem Grade verschieden. Die Chi-nesen sind ein einseitiges Verftandcsvolk, die Indier ein Volk derPhantasie und Empfindung; der den Ersteren eigenthümliche Sinnfür Begriffe, Thatsachen und Beobachtungen geht den Letzteren fastganz ab, diese besitzen dagegen aber einen hohen poetischen Geist,welcher jenen durchaus fehlt. Die Indier zeichnen sich ferner durcheinen Hang zum Dunkeln und Mystischen aus, sowie durch einenreligiösen Glauben, welcher, zum Unterschied von der fast blos ausmoralischen Lehren und äußeren Ceremonien bestehenden Haupt-Neli-