Band 
Erster Band.
Seite
35
JPEG-Download
 

Orientalische Völker. Zndier. 35

oder klassische Sprache", und drückt also den Gegensatz gegen diegemeinen oder Volks-Sprachen aus. Alle eigentlichen Gebildetenunter den Indicrn verstehen das Sanskrit. Eine andere Spracheder indischen Sprachfamilie ist das Pakt, welches gleichfalls schonlange nicht mehr gesprochen wird, und setzt nur noch bei den Bud-dhaisten in Hinterindicn und ausser Insel Ceylon als Sprache des Got-tesdienstes und der Literatur gebräuchlich ist. Es ist von allen Sprachendem Sanskrit am nächsten verwandt und gleichsam als die älteste Tochterdesselben anzusehen. Eine dritte todte Sprache der indischen Sprach-familie ist das Prakrit, in welchem die heiligen Schriften derDschaina-Secte geschrieben sind, und das außerdem nur in indischenDramen und anderen Dichtungsarten vorkommt, wo man es ineinzelnen Scenen oder Stellen neben dem Sanskrit anwendet.Übrigens wird das Wort Prakrit, welches soviel als niedrigereoder gemeinere Sprache bedeutet, oft auch in einem weiteren Sinne,znr Bezeichnung aller indischen Sprachen außer dem Sanskrit ge-braucht. Zu der indischen Sprachfamilie gehören endlich noch dievon den Hindu's in den verschiedenen Provinzen ihres Landes ge-sprochenen Volkssprachen, welche insgesammt vom Sanskrit abstammen,demselben aber viel ferner stehen, als das Pali und das Prakrit,und nicht als Töchter-, sondern als Enkel-Sprachen des Sanskritanzusehen sind. Man zählt deren sechs und zwanzig. In dieserZahl sind auch das Hindi oder Hindawi und das Hindustanimit einbegriffen, welche beiden Sprachen keiner bestimmten Gegendangehören, sondern von denen das Hindi die Sprache der modernenDichtkunst in Mittel-Indien, das Hindustani aber hauptsächlich diedes Verkehrs der gebildeten Zndier, sowie der in Indien lebenden Mo-hammedaner und Europäer ist. Sie sind von einander nicht sehr verschie-den. Das Hindustani wird von den Europäern auch die bramanischeSprache, dasDewanagari, das Nagri oder (mitsehr falscherAnwendung dieses Wortes) das Mongolische genannt.

Die Literatur der Zndier ist, wie ihr ganzes Wesen, einhalbdunkeles Gemenge von Ideen und von poetischen und religiösenEmpfindungen, bei welchem weder in dem Inhalt noch in der FormOrdnung und Einheit zu finden ist. Sie bildet deswegen aucheinen großen Gegensatz gegen die der Chinesen, in welcher Begriffeund das bloße Wissen die Hauptsache bilden. Auch sind fast alle