Band 
Erster Band.
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Orientalische Völker. Jndier.

trieben die geachteten Beschäftigungen des Ackerbaus, der Viehzuchtund des Handels, dursten aber auch die der vierten Kaste treiben.Sie waren zu gewissen Abgaben verpflichtet. Die Sudr a'S, welcheden bei weitem größten Theil deö indischen Volkes bilden, sollteneigentlich die Diener eer drei cdleren Kasten sein und dafür vonihren Herren den nöthigen Unterhalt bekommen. Das GesetzbuchMenu's erlaubt ihnen, für den Fall, daß sie keine Gelegenheit zueinem solchen Dienste finden, auch Handwerke zu treiben, allein esverbietet ihnen, sich ein Vermögen zu erwerben. Die Stellung derSudra'S ist jedoch im Laufe der Zeiten eine ganz andere geworden:sie bilden nämlich jetzt die eigentliche gewerbtrcibcnde Klasse desLandes, und beschäftigen sich außerdem auch mit Ackerbau.

Außer diesen vier Hanptabtheilungen oder Kasten, von welchendie zweite und dritte im Laufe der Zeiten größtentheils ausgestor-bcn find, gibt es viele zunftartige Unterabtheilungen derselben, die nachden einzelnen Beschäftigungen gebildet sind, und aufder inZndien vonjeher herrschenden Vorstellung beruhen, daß die Thätigkeiten der Men-schen erblich seien. Diese Unterabthcilungen sind von Fremden häufigmit den eigentlichen Kasten verwechselt worden, und daher kommt es,daß man öfters von mehr als vier Kasten der Jndier liest, daß z. B. dieGeschichtschreiber der alten Griechen sieben indische Kasten anführen.

Die Kasten-Einrichtung ist der Kern und Mittelpunkt des gan-zen indischen Staats Wesens und zugleich der an der indische»Nation nagende Krebsschaden. Während die gemeinschaftliche Religionalle Kasten fremden Völkern gegenüber mit einander enge verbundenhält, sind sie dagegen durch wechselseitiges Vorurtheil, durch den Stolzjeder Kaste gegen die nächst niedrigere und ihre Abneigung gegen die nächsthöhere wieder so getrennt,daß an eine Gemeinschaftlichkeit der Interessen,an ein gleiches Streben im Staat und an eine Vereinigung gegendie Usurpation der Oberen nie zu denken ist. Durch die Kasten-Einrichtung und die eingewurzelte Vorstellnng von der Nothwen-digkeit und gleichsam Heiligkeit derselben ist in Indien die Priester-schaft fest gegründet, und diese läßt dort keine Entwickelung der Nationund keine echte menschliche Größe aufkommen. Bei jeder Staats-einrichtung, die wie die indische unveränderlich ist, kann sich einVolk nie zu einem wirklich besseren und edleren Dasein erheben.Die Kasten und ihre Unterabtheilungen sind ebensoviele Schranken,