Band 
Erster Band.
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4t Geschichte der alten Welt.

durch welche die Nation in lauter einzelne, ein gemeinschaftliches Strebenunmöglich machende Theile geschieden ist. Jedem einzelnen Theil isteine bestimmte Form des Hebens und eine bestimmte Art von Bil-dung vorgeschrieben, und jede andere Form und Bildung ist fürihn als etwas Unerlaubtes, als eine Sünde dargestellt. Dadurchwurde in Indien der große Charakter der menschlichen Natur, daßsie etwas Gemeinsames ist, schon früh vernichtet; dadurch wird dortjede Individualität aufgehoben, jede Entwickelung und freie Be-wegung der dem Einzelnen von der Gottheit gegebenen Kräfte ge-hemmt, und die Mehrzahl des Volks zu bloßen Lastthiercn fürAndere herabgewürdigt. Der große Gedanke Vaterland, welcherso viele andere Völker zu glänzenden Thaten befeuerte und zueinem entwickelteren Nationallebcn emporhob, ist dem ganzen in-dischen Volke durchaus fremd; jeder lebt nur für seine Kaste oderZunft, jeder ist gleichsam gcwächsartig an seinen bestimmten Bodengefesselt. Was Wunder, daß dieses Volk, trotz seiner Abneigunggegen alles Ausländische und ungeachtet seiner Tapferkeit im Kampfemit Fremden, von jeher allen Eroberern erlag! Durch die unübcr-steiglichen Schranken, welche in Indien dem Menschen gesetzt sind,ist endlich zwar das Leben ein ruhiges und behagliches geworden,aber es ward zugleich auch einförmig und schaal, und mußte noth-wendiger Weise zu Weichlichkeit und Sinnlichkeit leiten. DerMensch gewöhnt sich dort daran, daß er nur in einem Zustandemechanischen Fortlcbens und ungestörter Ruhe sein Glück findet;er fühlt die Herabwürdigung seiner Natur nicht mehr, oder kommtwohl gar dazu, in seine Erniedrigung einen Stolz zu setzen. Sowar denn in Indien das Leben von jeher für die oberen Klassenein angenehmer Traum, für die unteren ein Wechsel zwischendrückender Mühsal und schändlicher Sinnenlust, für Alle zugleich aberein Einwiegen in den sanften Schlummer eutmannender Weichlichkeit-Die Negierungsform ist nach den heiligen Schriften der Jndicrdie erblich-monarchische. Wir finden schon in der älteren Geschichtedieses Volkes das Land in viele kleine Fürstenthümer vertheilt,deren Regenten, Nadscha's genannt, gewöhnlich einem gemeinsamenOberherrn als dessen Vasallen untergeben waren. Meistens schei-nen die Könige von Magadha, d. h. von dem um die obereHälfte deS Ganges-Flusses gelegenen Lande, diese Oberherrschaft