Band 
Erster Band.
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Orientalische Völker. Egypter.

niederlegt. Das regelmäßige Steigen des Nils kommt von den inder heißen Zone zu einer bestimmten Zeit des Jahres eintretendenstarken und anhaltenden Regengüssen her, und der Schlamm des-selben besteht wahrscheinlich aus zersetzten vulkanischen Steinen,welche in Abyssinicn durch jene Regengüsse in ihn geschwemmt wer-den, und die überall eine fruchtbare Erde bilden.

Der Nil hat durch den jährlichen Niederschlug dieses Schlam-mes nach und nach den Boden Egyptcus' immer mehr erhöht, undin uralter Zeit sogar ganz Unter-Egypten zuerst geschaffen. Dieseruntere Theil des Landes ist nämlich nichts Anderes, als eine vondem Nil an seiner Mündung gemachte Anschwemmung, durch welcheer das Land nach und nach in der Richtung seines Laufes ver-größerte. Die alten Egypter behaupteten, daß in den frühestenZeiten ihrer Geschichte Unter-Egypten noch ein bloßer Sumpf ge-wesen sei, und erst später, durch den fortwährend abgcsetztenNil-Schlamm,weit genug erhöht worden wäre, um ein trockenes und bewohnbaresLand zu sein. In ganz Egypten wird aus eben demselben Grundeder Boden beständig erhöht, so daß jetzt die Straßen der noch inRuinen erhaltenen alten Städte nicht mehr über, sondern unter derErde sich befinden. Diese Erhöhung ist indessen nicht überall imLande gleich, sondern je weiter flußabwärts, um so geringer ist sie;an der südlichen Grenze Egyptcns vergehen etwa 188 Jahre, bisdas Land einen Fuß höher geworden ist, dagegen steigt der Bodenda, wo die alte Stadt Theben lag, erst in 244 Jahren um einenFuß. Man hat in neuerer Zeit diesen Umstand benutzt, um zu be-rechnen, wann die Gebäude, deren Trümmer noch vorhanden sind,errichtet wurden, und um so die Zuverlässigkeit der geschichtlichenBerichte zu prüfen, die von ihrer Erbauung reden. Auch dieseBerechnungen bewähren es, daß schon in den ersten Zeiten, vonwelchen die Geschichte uns bestimmte und sichere Nachricht gibt,Egypten von einem alten und seit lange civilisirtcn Volke be-wohnt wurde.

Das Steigen des Nils ist nicht jedes Jahr gleich hoch; jamanchmal erhebt sich derselbe so wenig, daß er nur einen sehrkleinen Theil des Landes überschwemmt. Dann tritt eine Miöernteein; denn der Boden Egyptens kann ohne diese Befeuchtung nichtshervorbringen. Um die Fruchtbarkeit desselben zu vergrößern, sowie