Band 
Erster Band.
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Orientalische Volker. Egypter.

für heilig hielt und verehrte, geschah wahrscheinlich aus verschiede-nen Gründen: hauptsächlich wohl wegen des Nutzens, den mancheThiere den Menschen gewähren, wegen des Glaubens an eineSeelenwanderung, oder weil ein Tbier aus irgend einer Ursacheals das Sinnbild einer gewissen göttlichen Eigenschaft angesehenwurde. Übrigens gab es eine Menge derselben und ebenso vieleheilige Pflanzen. Von den ersteren war ein mit besonderen Zeichengeborener Stier, den man Apis nannte, das wichtigste. — Der Got-tesdienst war voll Schaugepränge, und bestand zum Theil aus ab-scheulichen Gebräuchen. Religiöse Feste und Processionen warensehr häufig, und für die Tempel der Götter und die bildliche Dar-stellung ihrer Mythen wurden ungeheure Ausgaben gemacht, unddie ganze Thätigkeit und Kraft der niedern Kasten in Anspruchgenommen.

Mit dem religiösen Glauben der Egypter hing die bei ihnengebräuchliche Einbalsamirung der Todten enge zusammen.Zn neuester Zeit hat ein französischer Gelehrter die Meinung auf-gestellt, daß die Rücksicht auf die Gesundheit der Lebenden die Priesterder ältesten Zeit zu der Einführung dieses Gebrauchs bewogen habe.Die jährlichen Überschwemmungen des Nils nämlich, durch welche derBoden bis in eine gewisse Tiefe aufgeweicht wird, bringen eine schnelleFäulniß der in der Erde begrabenen Körper, diese aber eine Verpestungder Luft hervor. Um nun den daraus möglicher Weise entstehenden Krank-heiten vorzubeugen, ward, wie jener Gelehrte meint, der Gebrauch ein-geführt, die Leichen der Menschen und der in Egypten am zahlreichstenvorkommenden Thiere einzubalsamiren; und diese Sitte wurde von denschlauen Priestern, welche den eigentlichen Grund geheim hielten,mit dem religiösen Glauben in Verbindung gebracht, weil diesermehr, als alle Strenge der bürgerlichen Gesetze, die Befolgung ge-gebener Vorschriften bewirkt. Den Beweis glaubt jener Gelehrtedarin zu finden, daß die heut' zu Tage im Orient so oft wüthendePest jedes Mal in Egypten entsteht, daß sie nicht früher vorkam,als im sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, wo zuerst dasEinbalsamiren der Todten in Egypten ganz aufhörte, und daß diesemörderische Krankheit noch nie Ober-Egypten heimgesucht hat, weildort der Nil schon lange nicht mehr über seine Ufer tritt. DieseAnnahme ist jedoch nicht im mindesten wahrscheinlich, und zwar