Orientalische Völker. Meder und Perser.
bald jeder Satrap sich ein eigenes Heer zu schaffen. Die Ein-künfte des Staats bestanden bei den eigentlichen Persern biszur Zeit des Darms Hpstaspiö ans dem Ertrag der Domänen undaus freiwilligen Geschenken, welche in Zeiten des Kriegs gefordertwurden; die unterworfenen Völker zahlten eine bestimmte jährlicheSumme. Darms ließ die freiwilligen Leistungen im eigentlichenPersien bestehen; in den andern Theilen des Reiches aber führte er so-wohl Natural-Lieferungen als auch baare Steuern ein, welche in vorge-schriebener Menge und Beschaffenheit an den Hof und an dieStatthalter entrichtet werden mußten. Medien z. B., welches nächstdem eigentlichen Persien von allen Provinzen am besten gestelltwar, mußte außer der pecuniären Abgabe jährlich drei tausendPferde, vier tausend Maulesel und acht hundert Schafe demHofe liefern. Zu den genannten Abgaben kamen in den einzelnenProvinzen noch Zölle, sowie Lieferungen an die Vorrathshäuserund für das durchreisende Gefolge des Königs oder der Satrapen.
Das Heer enthielt unter Cyrus und Kambyses den gestimm-ten waffenfähigen Theil der persischen Nation, welcher nach derihin eigenthümlichen Weise bewaffnet und eingeübt war, und siegreichAlles niederwarf. Schon unter Darms l. dagegen bestand derallein Achtung gebietende Theil desselben nur in den zehntausendsogenannten Unsterblichen, die aus den drei edlen Stämmen derPerser genommen wurden; die übrigen Perser wurden nicht mehrzum Kriege zugezogen, und das Heer ward aus den unter ein-ander sehr verschiedenen Truppen der Provinzen gebildet, von welchenkein Theil den andern verstand, mit denen keine Linie möglich -war, und deren Cavallerie theils auf Pferden, theils auf Maul-thieren, theils auf Eseln, theils auf Wagen saß. Die Kriege, welchedie Perser mit dem griechischen Volk führten, zeigen, daß einsolches Heer, je größer es war, desto leichter zu besiegen war.
Eine echt menschliche Geistesbildung entwickelte sich bei denPersern nicht, und ungeachtet des Glanzes und Reichthums ihresgroßen Reichs gelangten sie weder zu einer Wissenschaft noch zuwahrer Kunst. Selbst für das zum äußeren Leben Nothwendigeentbehrten sie jeder eigenen entwickelten Geisteöthätigkcit. So warenz. B. bis zum Untergang des Reichs die Ärzte am Hofe stets ent-weder Egypter oder Griechen, und nie wird eines persischen Arztes