Band 
Erster Band.
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Griechen. Allgemeines. M

kriegerischer Muth, aber auch Mangel an Bildung, Gesittung undOrdnung; die des Ostens endlich waren zwar schon längst aus demStande der Rohheit herausgetreten, und hatten Wissenschaften,Künste und viele Elemente eines besseren äußeren Lebens entwickelt,allein sie waren auch in geistige Einseitigkeit und Beschränkung ge-rathen, moralisch entartet und ein Opfer der Despotie geworden.In der Mitte dieser sie umgebenden Hauptkreise des damaligenMenschengeschlechts betraten die Griechen die Bahn einer neuenArt von Entwickelung, und gaben der Welt eine neue Richtung.Sie thaten dies mit so großem und bleibendem Erfolge, daß biszur gegenwärtigen Stunde die rein geistige Cultur der civilisirtenWelt ebenso vorzugsweise auf Griechenland beruht, wie die religiöseauf Palästina.

Die Griechen haben zuerst eine unabhängige Kunst geschaffen;denn sie haben zuerst die Kunst an und für sich und ihrer selbstwegen gepflegt, und dadurch der Menschheit ein neues Hauptmittelder Erhebung und Veredlung gegeben. Die Griechen haben fernerzuerst eine selbstständige Philosophie gegründet; denn sie warenes, die zuerst die Forderungen der denkenden Kraft von dem reinreligiösen Bedürfniß schieden, und so auch dem Geiste des Menschenjene Räume des Höheren und Unendlichen öffneten, die vorhernur seinem Gemüthe zugänglich gewesen waren. Sie haben zuersteine wahre Wissenschaft ins Leben gerufen, indem sie zuerst diegeistige Forschung ebenso von der Willkür eines einzelnen Standes,wie von den Zwecken des äußeren Lebens unabhängig machten; siehaben namentlich die beiden Wissenschaften der Mathematik und derGeschichte neu geschaffen; denn von diesen hatte die erstere, als eineder Selbstständigkeit ermangelnde Beschäftigung, seither nur denäußeren Bedürfnissen der Völker gedient, mit der letzteren aberhatte man, statt eine Erkenntniß des Menschen und seines Ent-wickelungsganges zu erstreben, blos dem patriotischen Gefühl undder Unterhaltung Befriedigung zu gewähren gesucht. Die Griechen ha-ben ferner das reichhaltige Bildungs-Element, welches in derSpracheliegt, in einer ganz neuen Weise und in hohem Grade entwickelt.Sie haben nämlich nicht allein viele neuen Formen und Weisen für diePoesie erfunden, und ihre eigene Sprache so ausgebildet, daß die-selbe eine der schönsten und ausdruckvollsten geworden ist, sondern

Schlosser'« Wellgesch. s. d. d. B. >. II