168 Geschichte der alten Welt.
noch heut' zu Tage in Griechenland zu sehen, namentlich ein ge-wölbeartiges Gebäude zu Mycenä in Argolis, das von denGelehrten die Schatzkammer des Atreus genannt wird, und Über-reste von der Mauer dieser Stadt mit einem Thore, über welchemsich zwei in Stein gehauene Löwen, das älteste Werk der griech-ischen Bildhauerkunst, befinden. Andere cyklopische Bauwerke stan-den und stehen zum Theil noch in Athen, in Argos, in der argoli-schen Stadt Tirynth, in Orchomenos und an andern Orten; selbstin Italien finden sich Neste derselben. Die cyklopischcn Bautenzeichnen sich namentlich dadurch aus, daß sie aus großen Fels-stücken von mitunter erstaunlichem Umfang bestehen, daß diese meistunregelmäßig beharren und ohne irgend eine Mörtel-Verbindungzusammengefügt sind, und daß die inneren Räumlichkeiten die Formvon Gewölben haben, ohne doch wie eigentliche Gewölbe gebautzu sein. Welchem Volk und welchem Jahrhundert der griechischenVorzeit diese Bauwerke angehören, ist unbekannt; sie können eben-sowohl erst nach der pelasgischen Zeit als in derselben errichtetworden sein. Weil man sie aber besonders an solchen Orten findet,von denen namentlich angeführt wird, daß einst Pelasger sich anihnen niedergelassen haben, so gehören sie wohl der pelasgischenZeit an. Auch waren sie zum Theil so ungeheuere Werke, daßViele der Meinung sind, ihre Erbauung könne, gleich der der egypt-ischen Gebäude, entweder nur einer priesterlich regierten Volksmasseoder ganzen unterworfenen und zu Frohnden gezwungenen Völker-schaften zugeschrieben werden; in der unmittelbar auf die pelasgi-sche Periode folgenden Zeü aber gab es weder eine Priesterherr-schaft, noch war es damals üblich, ganze besiegte Völker zu solchenFrondiensten zu gebrauchen.
Der erste Beginn einer höheren Cultur beruhte in Griechenlandwie überall auf dem Ackerbau. Dieser gedieh am leichtesten inniederen Ebenen mit angeschwemmtem Boden, welche, wie z. B. dievon Thessalien, von Flüssen durchströmt waren, und daher leichtdie in wärmeren Ländern durchaus nothwendige Bewässerung er-halten konnten. Aus diesem Grunde werden solche Ebenen in dengriechischen Sagen vorzugsweise Ansiedelungen von Pclasgern ge-nannt. Welchen Charakter die während der pelasgischen Zeit inGriechenland entstandene Cultur hatte, wissen wir nicht; nur soviel