Griechen. Urzeit. 187
scheint aus den Sagen hervorzugehen, daß das religiöse undbürgerliche Leben jener Zeit dem älteren orientalischen Wesen ein-igermaßen ähnlich war. Dadurch unterschied sich die pelasgischePeriode auf eine ebenso auffallende Weise von allen folgenden Zeitendes griechischen Volks, wie die cyklopischen Bauwerke von denender nächsten Jahrhunderte. In der ganzen sicheren Geschichte derGriechen kommt nichts von einer Priestcrkaste vor; diese dem Orienteigenthümliche Einrichtung war den Griechen seit dem Ende derpelasgischen Zeit so durchaus fremd, daß schon in Homer's Gesängen,dem ältesten erhaltenen Dichtwcrk der Griechen, statt eines herrsch-enden Priesterthums vielmehr das weltliche Haupt des Volks zu-gleich als höchster Priester desselben erscheint. Ebenso ist die dasgriechische Volk auszeichnende Ansicht von menschlichen und gött-lichen Dingen, durch welche sich dasselbe so sehr vom Orient unter-scheidet, schon in jenen Gesängen als die bereits unmittelbar nachder pelasgischen Zeit herrschende zu finden. Aus diesem Grundeist es auch erklärlich, warum wir aus den vielen Sagen der Griechenkeine klare Ansicht jener ältesten Zeit gewinnen können: das griech-ische Wesen der nachfolgenden Zeiten war von dem pelasgischen zusehr verschieden, als daß die Überlieferungen aus dieser Zeit mitLiebe und Sorgfalt hätten bewahrt und fortgepflanzt werden kön-nen. Die unmittelbar auf die pelasgischen Jahrhunderte folgendeZeit war diejenige, bei welcher, als ihrer eigentlichen Vorzeit, dieGedanken der späteren Griechen am liebsten und fast allein ver-weilten, und aus der dieses Volk den alterthümlichen Stoff fürseine dichterischen Werke nahm. Alles sogenannte Pelasgische kamden Griechen so fremdartig und gleichsam »»griechisch vor, daßihre Dichter fast nie eine Sage aus der Zeit desselben zum Gegen-stände ihres Gesanges wählten; ja diese ganze Zeit lebte so schwachin der Erinnerung der Griechen fort, daß ihre eigenen Geschichts-forscher über die Pelasger keine größere Klarheit zu erlangen ver-mochten, als wir.
Noch ist schließlich zu bemerken, daß die alt-griechischen Sagenauch von Colonieen reden, welche von Egypten und einigen asiat-ischen Ländern aus sehr früh in Griechenland angelegt wordensein sollen. Zuerst kam, um 1582 v. Chr., Cekrops aus SaVsin Egppten nach Attika, wo er von dem Könige des Landes freund-