266 Geschichte der alten Welt.
nannte jede einzelne entweder nach der Zahl ihrer Reihenfolgeoder nach dem Namen des Hauptsiegers in ihr.
Die olympischen Spiele gaben dem Lande Elis vorzugsweiseund fast allein eine Bedeutung in der griechischen Welt und ihrerGeschichte; denn da dieselben den regelmäßigen Vereinigungspunktaller Griechen bildeten, so wurde Elis ihretwegen für ein heiligesLand erklärt, welches nicht bekriegt, ja nicht einmal von Bewaffne-ten durchzogen werden durfte. Die Elier, welche auf diese Weisein allen Kriegen neutral blieben, hatten dafür die Pflicht, die olymp-ischen Spiele und den mit ihnen verbundenen Gottesdienst zu hal-ten, und die Denkmäler und Heiligthümer derselben zu Pflegen undzu beaufsichtigen. Während der Dauer der Spiele mußten auchalle andern griechischen Staaten, welche Krieg mit einander führten,die Waffen ruhen lassen.
Die Spiele wurden in der Nähe des Alpheus-Flusses gefeiert,an einem Orte, welcher Olympia hieß und einen heiligen Hainvon Olbäumen, sowie viele religiösen und andere öffentlichen Ge-bäude enthielt. Vor dem Hain stand ein berühmter, dem Zeusoder Jupiter geweihter Tempel. Dieser hieß der Tempel des olymp-ischen Jupiter, und war eines der größten Gebäude in Griechen-land; in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts vor Christowurde in ihm eine berühmte kolossale Statue jenes Gottes aufge-stellt, welche aus Elfenbein und Gold zusammengesetzt, und vonPhidias, dem größten griechischen Bildhauer, verfertigt wordenwar. Im Inneren des heiligen Hains von Olympia befandensich mehrere Altäre, ein Tempel der Juno und das sogenannteStadium nebst dem Hippodromus. Das Stadium war eine zumWettlauf bestimmte Bahn, welche gerade sechshundert griechische oderfünfhundert und neun und sechszig Pariser Fuß lang und ringsumvon Höhen umgeben war, auf denen die Zuschauer saßen. SeinNamen ward unter den Griechen zur Bezeichnung geographischerEntfernungen gebräuchlich: vierzig Stadien sind etwa einer deutschenMeile gleich. Der Hippodromus, welcher neben dem Stadiumlag, war die zu Wettfahrten und Wettrennen dienende Bahn.
Die olympischen Spiele wurden zu Anfang jedes fünften Jahrsgefeiert, und zwar zur Zeit des ersten nach der Sommer-Sonnen-wende eintretenden Vollmonds. Dieses Fest, welchem keine Frau