Z68 Geschichte der alten Welt.
aufstellen, wo überdies sein und seiner Stadt Namen zum ewigenGedächtniß in das öffentliche Verzeichniß der Sieger eingetragenwurde. Gesänge und Lieder verbreiteten außerdem seinen Ruhmbis in die fernsten Gegenden, welche von Griechen bewohnt waren,und erhielten seinen Namen in Aller Gedächtniß. Bei solchen halbgöttlichen Ehren ist es denn auch nicht zu verwundern, daß, wieberichtet wird, zu Olympia einst ein alter Mann bei der Umarm-ung seines Sohnes, der den Sieg errungen hatte, im Übermaß desGlückes starb. Ein anderer Greis, Diagoras von Nhodus, welcherselbst in seiner Jugend den Olivenkran; erhalten hatte, begleiteteeinst zwei seiner Söhne zu den olympischen Spielen, und war soglücklich, beide den Preis erlangen zu sehen. Diese setzten ihreKränze sogleich auf das Haupt des Vaters, und trugen denselben,um ihn vor dem gesummten Griechenland zu verherrlichen, auf ihrenSchultern umher. Jubelnd priesen alle Anwesenden den edeln Sinnder Söhne und des Vaters übergroßes Glück. Einer aus derMenge rief diesem zu: „Stirb, Diagoras, denn du hast das höchsteGlück erreicht!", und wirklich sank auch Diagoras, dem Übermaßeder Freude erliegend, entseelt von den Schultern seiner Söhneherab.
Dieses Ehrenfest der olympischen Spiele war ein Nationalfestim vollsten Sinne des Wortes, und wirkte in mehr als EinerHinsicht fördernd auf das griechische Leben ein. Namentlich ver-einigte es in regelmäßig wiederkehrenden Zeitpunkten die verschiede-nen, oft in Haß und Zwietracht zerfallenen Theile des griechischenVolks, welche zu Olympia unter dem Schutz eines Gottesfriedenszusammenkamen, sich in ihren Eigenthümlichkeiten zeigten, Einerdes Andern Erfindungen und Sitten kennen lernten, und oft nachlangen, erbitterten Kriegen sich wieder als Glieder einer und der-selben Familie begrüßten.
Unter den drei andern allgemeineren Nationalfeften von ähn-licher Art, welche alle dem von Olympia an Bedeutung weit nach-standen, nahmen die pythischen Spiele den höchsten Rang ein.Sie wurden in der Nähe von Delphi zu Ehren des Gottes Apollogefeiert, welcher nach dem von ihm erlegten Drachen Pytho denBeinamen des Pythiers trug. Auch diese Spiele fanden alle vierJahre Statt, und zwar stets im Monat Mai des zweiten Jahrs