Band 
Erster Band.
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Griechen. Allgemeine Verhältnisse.

gesehener Familien übergeben war, treu, und vertauschten die aufihr beruhende Form des Staats nicht mit einer andern, sondernrichteten sie blos den veränderten Umständen gemäß von Zeit zuZeit neu ein. Ein anderer Unterschied zwischen den dorischen undionischen Staaten bestand darin, daß die Dorer, als sie bei derHerakliden-Wanderung ihre Staaten gründeten, die griechischenEinwohner des eroberten Landes unterdrückten, und daß sie des-halb, um sich in dieser gewaltsamen Herrschaft behaupten zu können,vorzugsweise darauf bedacht sein mußten, in den Bürgern ihrerStaaten Kraft, Muth und kriegerischen Sinn zu entwickeln und zuerhalten. Die eigentlichen Bürger der dorischen Staaten wurdenin Folge davon gleichsam ritterliche Herren, deren Hauptbeschäftigungdie Übung in den Waffen und die Handhabung der Staatsange-legenheiten war. Diesen Charakter behielten aber nur zwei dorischeStaaten, der spartanische und der kretische, vollkommen bei. Dieübrigen gingen zu Handel und Gewerbsthätigkeit über, und da mitdiesen Beschäftigungen ein vorherrschend kriegerisches Leben sichnicht vertrug, und in die äußeren Verhältnisse der Bürger einegrößere Mannichfaltigkeit, sowie ein öfterer Wechsel kam, so konntebei den meisten dorischen Völkerschaften die alte Staatseinrichtungnicht fortbestehen; diese näherte sich deshalb entweder mehr der beiden Joniern herrschenden demokratischen Form, oder hörte wenig-stens auf mit einer kriegerischen Richtung verbunden zu sein. Vielewesentlichen Zuge haben jedoch alle dorischen Staaten stets beibe-halten, wenn sie nicht, wie z. B. Tarent, ihre althergebrachteAristokratie ganz und gar in eine Demokratie umwandelten.

Noch ist schließlich eine Erscheinung anzuführen, welche in dengriechischen Freistaaten manchmal vorübergehend eintrat. Das istdie sogenannte Tyrannis. Zuweilen erhob sich nämlich ein ein-zelner Bürger, durch geschickte Benutzung der Verhältnisse und ohnegesetzliche Berechtigung, zur Alleinherrschaft im Staate; einen solchenHerrscher nannten die Griechen einen Tyrannen. Dieses Wort be-deutet also in der griechischen Geschichte nur einen Usurpator odereinen Herrscher, welcher gegen die bestehenden Gesetze und ohneWahl der Bürgerschaft sich der Regierung bemächtigte; und derBegriff der Gewaltthätigkeit oder des Misbrauchs der Macht, wel-cher bei uns die vorherrschende Bedeutung des Wortes Tyrann