Band 
Erster Band.
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318 Geschichte der alten Welt.

Staate gestrebt hatte, verzweifelte für sich selbst an der Möglichkeitihres Besitzes, beschloß aber sie wenigstens an seine Nachkommenzn bringen; er verabredete deshalb mit Pisistratns eine ehelicheVerbindung desselben mit seiner Tochter, und versprach ihm seinenBeistand zur Wiedererlangung der Alleinherrschaft unter der Be-dingung, daß Pisistratns dieselbe einst seinem aus dieser Ehe zuhoffenden Sohne hinterlasse. Pisistratns willigte ein, heiratheteMegakles Tochter, und kehrte mit Hülfe seines Schwiegervaters,sechs Jahre nach seiner Vertreibung, wieder in die Vaterstadt zu-rück, um von neuem Alleinherrscher zu werden H553 v. Chr.). Erund Megakles sollen, um seine Wiedereinsetzung zu erzwingen, sicheiner bist bedient haben, welche zu plump gewesen wäre, als daßman sie für wahrscheinlich halten könnte, oder die wenigstens nichtals ein die Rückkehr möglich machendes Mittel, sondern als einbloßes, auf den gemeinen Haufen berechnetes Eerenioniell derselbenanzusehen ist. Man kleidete nämlich, wie es heißt, eine durch Schön-heit und Größe ausgezeichnete Blumenhändlerin so, wie Minervadargestellt zu werden pflegte, und ließ sie auf einem prachtvollenWagen in die Stadt fahren; vor ihr her gingen Herolde, die mitlauter Stimme ausriefen: „Athener, nehmt mit willigem Gemütheden Pisistratns auf, welchen Minerva selbst vor allen andern Men-schen ehrt und jetzt in eure Burg einführt!" Das Volk soll diesenWorten Glauben geschenkt, die vermeintliche Göttin angebetet undPisiftratus als Herrscher in die Stadt und Burg eingelassen haben.

Pisistratus war jetzt von neuem auf zwei Jahre Tyrann vonAthen, und änderte auch diesmal die Einrichtungen und Gesetze desStaats nicht; denn er bedurfte dessen ebensowenig jetzt wie früher,weil er einen zahlreichen Anhang im Volk hatte, und außerdem inseinen großen Talenten und seinem sehr bedeutenden Privatver-mögen Mittel genug besaß, um seinen Willen durchzusetzen. Erließ aber alsbald die Absicht merken, seine Herrschaft einst seinemSohne erster Ehe zu hinterlassen, und deshalb beschloß Megakles,der dadurch um allen Vortheil der Verbindung mit ihm gebrachtwar, ihn zu stürzen. Megakles bewirkte dies durch dasselbe Mit-tel, durch welches er früher ihn schon einmal verdrängt hatte. Erbrachte nämlich wieder eine Aussöhnung der beiden dem Pisistratusfeindlichen Parteien zu Stande. Pisistratus wich freiwillig der