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Erster Band.
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327
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Griechen. Geistiges Leben der älteren Zeit. 327

sogar einst die sonst unerbittlichen Götter der Unterwelt, ihm seineGemahlin Eurydike zurückzugeben. Seinen Tod berichtet die Sagein verschiedener Weise; nach der gewöhnlichen Erzählung zerrissenihn thracische Weiber, welche gerade die wilden Feste des Bacchus-Dienstes feierten, und in ihrer schwärmerischen Wuth ihn umbrach-ten, weil er ein Feind dieser rohen Ceremonien war. Von den ihm zu-geschriebenen Werken sind das erzählende Gedicht von dem Zugeder Argonauten und eine Anzahl Hymnen die berühmtesten. DenNamen des Dichters Musäus, welcher in Attika geboren warund ein Schüler oder nach Andern der Lehrer des Orpheus ge-wesen sein soll, tragen ebenfalls mehrere Gedichte, die in spätererZeit verfaßt wurden und sich bis auf unsere Zeit erhalten haben.

Heller wird die Geschichte der griechischen Geistesentwickelungin dem heroischen Zeitalter. Wir besitzen zwei größere Gedichte,die Jliade und dieOdyssee, welche am Ende dieser Zeit verfaßtwurden, und sowohl an und für sich selbst ein redendes Zeugnißvon der damaligen Entwickelungsstufe des griechischen Volkes sind,als auch durch die in ihnen enthaltenen Schilderungen und Be-schreibungen die Art und Weise deS Gebens und der Bildung jenesZeitalters so, wie sie oben (S. 209) dargestellt wurde, zu erkennengeben. Das heroische Zeitalter der Griechen war eine Zeit desEpos oder des Heldengedichts. Das rüstige und wechselvolle Lebendes Kriegs und der Jagd, verbunden mit Einfachheit und Heiter-keit des Sinnes, erhält in der Seele der Männer eine gehobeneStimmung, nährt die Freude an Lied und Gesang, und richtet beiden Mahlen und Festen die Unterhaltung vorzugsweise auf dieThaten und Abenteuer der Helden. Dadurch gedeiht in solchenZeiten die epische Poesie mehr, a^ in jeder andern, und es stehenauf dieser Stufe der Entwickelung eines Volkes Dichter auf, welcheeinen Lebensberuf daraus machen, jene Thaten und Abenteuer poe-tisch zu schildern und vor den versammelten Helden vorzutragen;sie wurden bei den Griechen Sänger und Rhapsoden, bei dengermanischen Völkern Barden und Skalden genannt.

Die Jliade und Odyssee tragen den Namen Homer's, einesDichters, welcher wahrscheinlich etwa tausend Jahre vor Christolebte. Die Geschichte desselben ist in ein räthselhaftes Dunkel ge-hüllt, doch kann seine Eristenz durchaus nicht bezweifelt werden.