Band 
Erster Band.
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Griechen. Geistiges Leben der älteren Zeit. Z29

Jahrhunderte lang durch das Gedächtniß sich erhalten hatten, nie-dergeschrieben worden sind, nnd im Verlauf dieser Zeit in ihrerForm manche Änderung erlitten haben. Ebenso gewiß ist es aberauch, daß sie trotz dieser Überarbeitung in der Hauptsache unver-ändert geblieben sind, und das unnachahmliche Gepräge einer ganzeigenen Bildung und Sitte an sich tragen, die wir auch bei denalten Germanen, Skandinaviern, Schotten und Britten wiederfinden.Übrigens brachte, nach den Berichten des Alterthums, zuerst Lykurgdie homerischen Gedichte aus Kleinasien nach dem eigentlichen Griechen-land, und drei Jahrhunderte nach ihm ließen Pisistratus und Hipp-archus alle Reste derselben sammeln und, nach der Meinung derEinen, als bereits vorhandene Werke blos überarbeiten und nieder-schreiben, nach der der Andern aber so zusammenfügen, daß ausihnen damals erst die beiden Heldengedichte Jliade und Odysseeentstanden wären, denen der Name Homer's, als des berühmtestenunter den alten griechischen Barden, vorgesetzt worden sei.

Den Namen Homer's tragen noch einige kleine Gedichte, welcheaber alle erst nach seiner Zeit nnd zum Theil sogar viel später inder Form und Sprache seiner Poesie gedichtet wurden. Einigedreißig Hymnen sind die berühmtesten dieser kleineren homerischenWerke. Die beiden Heldengedichte Homer's haben vor allen an-dern Werken der älteren Jahrhunderte Griechenlands vorzugsweiseeine Bedeutung, nicht nur weil sie die vollendetsten Heldengedichtealler Zeiten sind, sondern namentlich auch weil sie bei den Griechender späteren Zeit am meisten von allen Schriften gelesen wurden,und deshalb als das wichtigste Volksbuch derselben eine der Haupt-quellen ihrer Bildung waren. —

Die Heroen-Zeit ging mit dem zehnten Jahrhundert v. Chr.zu Ende, und vorn neunten an begann in allen von Griechen be-wohnten Ländern eine neue Entwickelung der Kunst und der geist-igen Bildung. Diese hatte ihren Hauptsitz in den Colonieen, undnahm denselben Weg, wie die Entwickelung der Gewerbe und derVerfassungen. Sie zeigte sich nämlich zuerst unter den Dorern,bei welchen zur Zeit Lykurg's und unmittelbar nach ihm mehrereKünstler und Dichter im Peloponnes und auf Sicilien auftraten.Im achten Jahrhundert vor unsrer Zeitrechnung begannen hieraufKunst und Wissenschaft schon in den Colonieen Kleinasiens, auf