Band 
Erster Band.
Seite
330
JPEG-Download
 

ZZg Geschichte der alten Welt.

den Inseln und in Großgriechenland sich zu entwickeln. In denbeiden folgenden Jahrhunderten blühten dieselben in Kleinasienund auf den Inseln am meisten auf. Damals wurden insbe-sondere SamoS und Aegina Hauptsitze der griechischen Kunst.Erst in der nachfolgenden Zeit ward Athen der Mittelpunkt desgeistigen Lebens der Griechen, welches in dieser Stadt seine höchsteEntwickelung erlangte.

Kunst und Poesie verbreiteten sich damals so allgemein überdie griechischen Länder und selbst über Flecken und Dörfer, daßschon die alten Römer darüber erstaunt waren, und daß dies nochmehr für die neuere Zeit eine überraschende und unerklärliche Er-scheinung ist. Alle Stämme und Zweige des griechischen Volksnahmen daran Theil; das griechische Leben wurde überall durchKunst, Poesie, Philosophie und Gesetzgebung bestimmt und gestaltet,und die Reichthümer anderer Völker, welche durch den Handel unddie Gewerbe den Griechen zuflössen, dienten dieser Entwickelung,und machten es möglich, daß die griechische Bildung in einem sohohen Grade und so allgemein aufblühte.

Neben dem neuen Aufschwung, welchen das geistige Leben desgriechischen Volkes mit der Ausbreitung desselben durch Colonisa-tionen nahm, zeichnen sich die Jahrhunderte zwischen dem heroischenZeitalter und den Perser-Kriegen noch dadurch aus, daß damalszuerst orientalische Ansichten zu den Griechen drangen. Dochbehielt zu allen Zeiten der griechische Geist das Übergewicht, unddie Spuren der eingedrungenen orientalischen Vorstellungen undFormen sind nur ein unwesentlicher und untergeordneter Theil dergriechischen Bildung, keinesweges aber einer der Charakterzüge der-selben. Durch den Verkehr der östlichen Inseln und Colonieen mitPhrygien, Lydien, Phönicicn und Egypten erhielten die dem Orienteigenthümlichen Vorstellungen von göttlichen und menschlichen Dingenzuerst Eingang in Griechenland. Schon in den bald nach Homerabgefaßten Schriften dämmert ein orientalisches Licht, welches derJliade und Odyssee und den in ihnen geschilderten Griechen derHeroenzeit ganz und gar fremd war. Jene Berührung mit demOrient brachte über Cyzikus, Lampsakus, Samothrake und andereStädte und Inseln das egyptische Mysterien-Wese», sowie phöni-cische, phrygische und lydische Ansichten in die Religion und Phi-