Band 
Erster Band.
Seite
332
JPEG-Download
 

AZ2 Geschichte der alten Welt.

Jahrhunderts v. Chr. herrschend blieb. Während nämlich einer-seits die Poesie auch damals fortwährend eine meist erwählende oderepische war, und die seitherige Form derselben beibehalten wurde,nahm sie andrerseits einen mehr asiatischen Charakter an, indem sienamentlich theilweise einen geheimnißvollen, priesterlichen Ton er-hielt. Zugleich änderte sich auch der Inhalt und das Ziel der !poetischen Erzeugnisse dieser Zeit. Während nämlich vorher diereine Darstellung des Geschehenen oder durch die Sage Überliefer-ten der Zweck des Dichters war, und die Helden sich bei seinemGesänge an der Betrachtung der im Lichte der Poesie vorgeführten ^Waffenthaten und Abenteuer an und für sich selbst erfreuten, knüpftesich jetzt das Streben nach Belehrung und Bedeutsamkeit an dieSchöpfungen der Dichter. Die Poesie hörte auf, eine rein heroischeund epische zu sein, und wurde statt dessen eine heilige und mythisch-bistorische.

Die Gedichte dieses Zeitraums zerfallen in zwei Klassen, näm-lich in moralisch-religiöse und in mythisch-historische. Die letztereKlasse besteht aus den Werken derjenigen epischen Dichter, welche zum ^Unterschied von den Rhapsoden oder Barden der heroischen Zeit IcyklischeDichter genannt werden, weil sie einzelne Sagen dicht-erisch behandelten, und so von ihnen nach und nach fast der ganzeCyklus oder Kreis griechischer Sagen vom Ursprung der Dinge anbis zum Tode des Odyssens poetisch bearbeitet wurde. Die cykli-schen Dichter faßten ihre Werke nach dem Muster der Jliade undOdyssee ab, und wie in diesen ein Theil des trojanischen Kriegsund die Irrfahrten des Odyssens dargestellt sind, so suchten sie alleübrigen Sagen in epischer Form zu behandeln; sie blieben aber inihrem Streben hinter jenen homerischen Werken ebenso weit zurück,wie ihre Zeit von der Zeit Homer's verschieden war. Sie erzähl-ten die Geschichte der Götter und Helden blos, weil sie eine poet-isch noch nicht beschriebene Sage in Versen darstellen wollten; sie !dichteten also ohne wahres poetisches Interesse, ohne Liebe zu einerBegebenheit an und für sich selbst und zu ihrer Entwickelung undohne Einheit der Darstellung. Ihre Werke führen nach den be-handelten einzelnen Sagen ihren Namen; sie heißen K osmogonieen, t»wenn sie die Sagen von der Entstehung der Welt erzählen, Theo-gonieen oder Genealogieen, wenn sie sich mit der Entstehung oder