3Z4 Geschichte der alten Welt.
Kunst das sorgenlose Lebe» der freien Bürger der kleinen griech-ischen Freistaaten zu einem steten Feste machten. Die Reste der-selben, welche sich bis auf heute erhalten haben, zeigen uns, daßein reges inneres Leben auch in dieser Zeit über ganz Griechenlandverbreitet war, und daß es damals eine bedeutende Literatur gab,die aber nicht in Büchern, sondern im Leben selbst, bei Festen, öffent-lichen Versammlungen und Gastmählern auf die Nachkommen ver-erbt ward.
Die Werke dieses Zeitraums der Literatur, welcher ungefährvon 700 v. Chr. bis zu den Perser-Kriegen dauerte, zerfallen invier Klassen, nämlich in eine in politischer und moralischer Hinsichtlehrende oder auch satyrische' Dichtkunst, in lyrische Gedichte, ineine philosophische Poesie und in historische Dichtungen. Die letztedieser Klassen hängt mit der cyklischen Poesie enge zusammen; diedrei ersten aber sind aus der kurz zuvor erwähnten heiligen Dicht-kunst hervorgegangen, welche Theogonieen, Kosmogonieen, Hymnen,moralische und religiöse Lehren enthielt.
Die erste Klasse begreift die in moralischer und poli-tischer Hinsicht belehrende Pocsiein sich. Sie besteht näm-lich aus solchen Gedichten, deren Verfasser theils Lehren der Erfahr-ung und Klugheit ertheilten, theils die ersten Gesetze und Einrichtungendes bürgerlichen Lebens in leicht zu behaltende Verse brachten, da-mit diese bei Festen und Mahlen zur Leier gesungen oder nach be-stimmtem Maße hergesagt würden, theils die edlen Gefühle hoher undtapferer Seelen aussprachen, theils endlich durch den poetischen Aus-druck des Spottes und Zornes das Schlechte bekämpften. Zu die-ser Dichtungsart gehört auch das zuvor erwähnte Werk Hesiov's,welches Werke und Tage betitelt ist, sowie die Orakelsprüche, dievon alter Zeit her in kurzen Versen ertheilt wurden. Außerdemist zunächst die poetische Einkleidung der Gesetze hervorzuheben, ,welche in manchen älteren Staaten üblich war. Schon Lykurgoder seine Zeitgenossen hatten die Hauptsätze der spartanischen Ver-fassung in kurze Verse gefaßt, damit sie besser behalten und denNachkommen unentstellt überliefert würden. Ebenso sollen die ein-zelnen Bestimmungen der beiden berühmten Verfassungen, welcheZaleukus von Lokri und Charondas von Katana zu Urhebernhatten, von diesen in Verse gebracht worden sein. Man bediente
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