Band 
Erster Band.
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335
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Griechen. Geistiges Leben der älteren Zeit. zzz

sich aber außerdem auch der Poesie, um durch besondere Lieder aufdie Gemüther der Bürger zu wirken und so die Erreichung poli-tischer Zwecke zu fördern. Dies thaten unter Andern Pythago-ras in Kroton, Solon in Athen und Tprtäns in Sparta. DerLetztere, welcher zur Zeit des zweiten mefsenischen Krieges lebte(s. oben S. 292), machte nicht etwa blos Kriegslieder, sondernwar recht eigentlich Sparta's Nationaldichter. Er verfaßte außerseinen Kriegsgesängen, welche noch lange nach ihm in den Kriegenund Schlachten der Spartaner gesungen wurden, auch lehrende,besänftigende und erhebende Gedichte, durch die er dem spartani-schen Volk das geschwundene Selbstvertrauen wiedergab, und dieTugenden der Einigkeit, Vaterlandsliebe und Ausdauer von neuembelebte. Von seinen Gedichten haben sich außer einigen kleinenBrnchstücken nur drei erhalten.

Neben dieser politischen Poesie sind zunächst die sogenanntengnomischen Gedichte anzuführen, welche übrigens auch zu dendie zweite Klasse bildenden lyrischen oder den in der dritten Klassebegriffenen philosophischen Gedichten gezählt werden können. Mangab ihnen jenen Namen deshalb, weil sie aus Gnomen bestehen,d. h. aus solchen Denksprüchen, welche die Verbreitung von Weis-heit, Frömmigkeit und Klugheit bezwecken. Die berühmtesten gnom-ischen Dichter waren Theognis aus Megara und Phocplidesaus Milet, welche Beide um 550 v. Chr. lebten. Den Namen desErsteren trägt eine noch vorhandene Sammlung solcher Sprüche,von den Gnomen des Letzteren aber haben nur sehr wenige sicherhalten. Auch Ppthagoras wird häufig zu den gnomischenDichtern gerechnet, weil seinen Namen eine Sammlung von Gno-men führt, welche „goldene Worte" betitelt ist; allein diese Sprücherühren ganz gewiß nicht von Ppthagoras her, sondern sind dasWerk irgend eines Anhängers seiner Philosophie. Endlich wirdunter den berühmteren gnomischen Dichter» gewöhnlich auch derGesetzgeber Solon mit angeführt, weil er Gedichte verfaßt hat,durch die er seine Mitbürger zu sittlicher Veredlung zu erhebensuchte. Von diesen haben sich einige Neste erhalten.

Den gnomischen und den politischen Dichtern stehen, ihremWesen und der Art ihrer Wirkung nach, die sogenannten siebenWeisen sehr nahe. Diese Männer, welche mit Ausnahme eines