ggo Geschichte der alten Welt.
Verhältnisse ab, wenn die Unternehmungen verständig geleitet wurden;noch seltener aber geschah es, daß irgend eine Einrichtung den ge-machten Erfahrungen und den Umständen gemäß geändert, oder dieArt und Weise einer Unternehmung dein Bedürfniß der Zeit undder Natur des Landes und Volkes angepaßt wurde; das Heer end-lich war zwar in jedem Kriege sehr zahlreich, aber es bestand auseiner ungeordneten Masse von Bewaffneten ohne Geist und ohneSelbstgefühl. Die Griechen dagegen, welche noch dazu gerade da-mals in der Blüthe ihrer nationalen Kraft sich befanden, bildetenkleine Staaten, deren Kraft und Stütze nicht in der Zahl, sondernin der Bildsamkeit, der freien Entwickelung, der Vaterlandsliebeund dem wetteifernden Muth der Einzelnen bestand. Die Zusam-mensetzung, Übung und Bewaffnung ihrer Heere war rein national,in Sitte und Verfassung gegründet; und bei der freien Bewegungdes Staatslebcns und aller seiner Kräfte kamen die Erfindungenund Erfahrungen der fortschreitenden Zeit allen ihren Einrichtungenund Unternehmungen zu Statte». Der Kern des Heeres oder dieSchaar der sogenannten Schwerbewaffneten bestand in allen griech-ischen Staaten aus lauter solchen Bürgern, welche vorzugsweiseden Staat regierten, Vermögen und einen gewissen Grad von Bild-ung besaßen, und deshalb mit keinem Heere unserer Tage, sondernetwa nur mit den sogenannten Reisigen des Mittclalters verglichenwerden können. Außerdem wurden alle Officiere jährlich neu ge-wählt, und ein griechisches Heer der demokratischen Zeit war alsodurch seine ganze Organisation und Zusammensetzung so beschaffen,daß jeder gemeine Soldat den Officicr ersetzen konnte, ja, daß diemeisten sogar hinreichend gebildet waren, um Generale zu sein,und neben den Kenntnissen auch das zu einem Oberbefehl nöthigeSelbstgefühl besaßen. Ein solches Heer wäre daher selbst einergleich großen Truppenzahl unseres militärischen und in der Kriegs-kunst so weit vorgeschrittenen Zeitalters weit überlegen gewesen. Zuallem diesem kommt endlich noch, daß jeder einzelne Grieche vonJugend aus ein Krieger war, und daß in den Bürgern griechischerStaaten durch die Vvlksgesänge, durch den Gottesdienst, durch dieganze Einrichtung des bürgerlichen Lebens, sowie durch die unzähl-igen Kunstwerke, die sie überall erblickten, die Liebe zu Freiheit undVaterland stets lebendig erhalten und genährt ward.